Oliver Perry-Smith

Zeittafel 1906 - 1909


18. März 1906

Max Griehl, Hinterer Höllenhundturm, Ostweg IV/E3, Foto: Helmut Schulze, 2024
Max Griehl, Hinterer Höllenhundturm, Ostweg IV/E3, Foto: Helmut Schulze, 2024

 

Klettern in Rathen

 

Am 18. März 1906 kletterte Oliver Perry-Smith teilweise in Seilschaft mit Arthur Hoyer in Rathen. Dabei gelangen ihnen folgende Erstbegehungen und -besteigungen:

  • Hinterer Höllenhundturm, Alter Weg, Arthur Hoyer, Oliver Perry-Smith
  • Hinterer Höllenhundturm, Ostweg, Arthur Hoyer, Oliver Perry-Smith
  • Mittlerer Höllenhundturm, Alter Weg, Arthur Hoyer, Oliver Perry-Smith
  • Lokomotive-Dom, Perry-Smith-Weg, Oliver Perry-Smith

 Des weiteren finden sich an diesem Tag folgende Gipfelbucheinträge:

  • Mönch, Fehrmannweg, Oliver Perry-Smith, Arthur Hoyer
  • Lokomotive-Esse (44. Besteigung), Lammseite auf/Pfeifeweg ab, Oliver Perry-Smith

27. März 1906

Felix Gottlöber, Grottenwart, Alter Weg IV/E3, Foto: Helmut Schulze
Felix Gottlöber, Grottenwart, Alter Weg IV/E3, Foto: Helmut Schulze

 

Grottenwart

 

Plumper, unbedeutender Turm dicht vor der Frienstein-Nordwand; hinter ihm führt der Weg zur Frienstein-Höhle durch.

Alter Weg: III; Fehrmann, Perry-Smith, 27.3.06. – An der W-Seite den auffallenden, gebrochenen Riß hinauf, der als Kamin auf dem Gipfel endet.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger im Sächsischen Felsengebirge, 1923


7. April 1906

Beil aus dem Alten Weg vom Wilden Kopf, Sammlung Bernd Arnold
Beil aus dem Alten Weg vom Wilden Kopf, Sammlung Bernd Arnold

 

Wilder Kopf

 

Sonderbar geformter Felsturm nordwestlich vor dem westlichen Riff der Affensteine, am Eingang in das Kleine Bauerloch. Vielfach fälschlich als „Backzahn“ bezeichnet. Durch eine Kluft von den südöstlich von ihm getrennten Rokokotürmen getrennt. Bekannt wurde der Fels dadurch, dass hier Brosin im Jahre 1900 bei einem Besteigungsversuche das Leben verlor. – Besteigung des Felsens schwierig. Erste Besteigung: Oliver Perry-Smith, Rudolf Fehrmann am 7. April 1906.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 

Oliver Perry-Smith soll im Riss den Kopf eines Beils als Sicherungspunkt gelegt haben. Der jugendliche Bernd Arnold wusste um diese Geschichte und barg das Beil. Seitdem ziert es seinen Schreibtisch. Bleibt die Frage: Wurde der Klemmkeil im Elbsandsteingebirge erfunden?


8. April 1906

Postkarte, Verlag von Herm. Keiler, Bergwirt, Pfaffenstein
Postkarte, Verlag von Herm. Keiler, Bergwirt, Pfaffenstein

 

2. Besteigung der Barbarine

 

Am 8. April 1906 gelang Oliver Perry-Smith, Rudolf Fehrmann und Arthur Hoyer die 2. Besteigung der Barbarine.

 

Walter Hahn war mit seinem Fotoapparat zugegen und bannte die Besteigung auf Glasplatten. Verschiedene Verlage stellten von diesen Fotos Ansichtskarten her. Teilweise waren diese Karten, wie die vom Kunstverlag Max Köhler aus Dresden, mit: „Die erste Besteigung der Barbarine am Pfaffenstein, am 8. April 1906.“ falsch beschriftet.


16. April 1906

Gipfelbuch vom Schrammtorwächter, Gipfelbucharchiv des Sächsischen Bergsteigerbundes
Gipfelbuch vom Schrammtorwächter, Gipfelbucharchiv des Sächsischen Bergsteigerbundes

 

Der dritte Streich

 

Auch die dritte Besteigung vom Schrammtorwächter sicherte sich Oliver Perry-Smith. Am 16. April 1906 kletterte er mit Arthur Hoyer, Rudolf (Franzl) Kopprasch und Rudolf Wackwitz als Nachsteiger auf den Gipfel. Vermutlich legte die Seilschaft an diesem Tag das Gipfelbuch, denn die vorherigen Einträge sind komplett von Perry-Smith geschrieben.


23. April 1906

Eintrag im Gästebuch der Berggaststätte auf dem Pfaffenstein
Eintrag im Gästebuch der Berggaststätte auf dem Pfaffenstein

 

Lok und Barbarine

 

Am 23. April finden sich zwei Einträge im Gipfelbuch der Lokomotive-Esse:

Bei Laternenschein

Oliver Perry-Smith

Rudolf Wackwitz

der zweite Eintrag lautet:

Oliver Perry-Smith

Lammseite auf, Pfeifenweg ab

Diese Begehungen stehen als 51. und 52. Besteigung der Esse im Gipfelbuch.

 

Vermutlich ging es an diesem Tag, den die Kletterer noch bei Dunkelheit begonnen hatten, weiter zum Pfaffenstein. Dort kletterten Oliver Perry-Smith, Rudolf Wackwitz und Richard Keiler auf die Barbarine. Dies war die dritte Besteigung der Pfaffendorfer Jungfrau. Richard Keiler, der Sohn vom Pfaffensteinwirt, war ebenso wie Perry-Smith Geburtsjahrgang 1884.

 

Anders als im Gästebuch, steht im Gipfelbuch der 24. April 1906 als Datum der dritten Besteigung. Dieses Datum wurde vermutlich später von fremder Hand dem Gipfelbucheintrag hinzugefügt.


8. Mai 1906

Gipfelbuch vom Mönch, Gipfelbucharchiv des Sächsischen Bergsteigerbundes
Gipfelbuch vom Mönch, Gipfelbucharchiv des Sächsischen Bergsteigerbundes

 

Nachts auf dem Mönch

 

Im Gipfelbuch vom Mönch findet sich folgender Eintrag:

Oliver Perry-Smith, Dr. Alfred Saßmann

herrliches Nachtessen bei Vollmond

8/9 Mai 1906

 

Auch am Abend vom 10. Mai waren Perry-Smith und Saßmann, diesmal in Begleitung von Karl Ansel wieder auf dem Mönch – „Nachtessen von 9–12 Uhr Abends“ steht dazu im Gipfelbuch. Ein weiterer Eintrag einer Nachtbesteigung ist am 13. Mai 1906 im Buch vom Mönch zu lesen. Zu dem Dreierteam gesellte sich jetzt noch Sidi Ansel, die Ehefrau von Karl Ansel, sowie vermutlich eine weitere Person, deren Name sich nicht entziffern lässt.


20. Mai 1906

Erstbegehung der Hünigwand, Ansichtskarte vom Verlag Gebr. Junghanß, Dresden-A.
Erstbegehung der Hünigwand, Ansichtskarte vom Verlag Gebr. Junghanß, Dresden-A.

 

Großer Wehlturm

 

Hünigs-Weg über die Südostkante. Sehr schwer und bedenklich. Erste Begehung: Walter Hünig, Oliver Perry-Smith, Walter Lehmann am 20. Mai 1906. – Zunächst auf den grossen Block, der in die Ecke zwischen Nördlichem und Oestlichem Wehlturm eingelagert ist von Norden her durch engen, griffigen Riss. Von der Höhe des Blocks aus in westlicher Richtung in einen engen Riss mit erweitertem, überhängendem Einstieg. Dies ist die östliche Oeffnung des „Nördlichen Schartenkamins“; durch ihn, anfangs schwer, bis zu seinem Ende empor (dabei wird der Alte Weg gekreuzt). Dann einige Meter nach rechts in die Ostwand hinaus bis unterhalb einer tiefen Höhlung. Gerade zu dieser ansteigen. Von da wieder 2 m nach links an die Südostkante. Dort einen Ueberhang überwinden, dann gerade empor zum Gipfel.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 

Oliver Perry-Smith brachte zur Erstbegehung den Fotografen Junghanß (Junghanns) mit, der davon eine Serie von sechs Ansichtskarten veröffentlichte.

 

 


27. Mai 1906

Uwe Flechtner, Jungfer, Alter Weg VIIa/E3, Foto: Helmut Schulze, 2023
Uwe Flechtner, Jungfer, Alter Weg VIIa/E3, Foto: Helmut Schulze, 2023

 

In den Schrammsteinen

 

Von Oliver Perry-Smith „herangeredet“ kletterte Walter Hünig (mit Oliver Perry-Smith als Seilzweiten) am 27. Mai 1906 auf den Schrammtorwächter. Es war die 6. Besteigung dieses Gipfels. Walter Hünig war der dritte Kletterer, dem der Schrammtorwächter im Vorstieg gelang.

 

Anschließend glückte Walter Hünig, Oliver Perry-Smith und Wilhelm (Willy) Baudisch die Erstbesteigung der Jungfer.

 

Beim Aufrichten hörte ich ein Klingeln, als ob ein Meißel an der Wand herunterrollte. Perry-Smith rief mir zu: „Sichern“, was ich auch möglichst schnell tat. Jetzt erst sah ich, daß der Seilring durch mein Aufrichten auf dem Gipfel aus dem Loche herausgezogen worden war und nun am Seile hing. Sehr schnell war Perry-Smith bei mir und bald unser dritter Mann, der alles vorzüglich stieg.


28. Mai 1906

Brief von Oliver Perry-Smith an Rudolf Fehrmann
Brief von Oliver Perry-Smith an Rudolf Fehrmann

 

Post aus Rathen

 

Am Tag nach der Erstbesteigung der Jungfer schrieb Oliver Perry-Smith an Rudolf Fehrmann einen Brief:

 

Rathen a. d. Elbe

May 26th 06

 

Dear Petrus!

 

Many thanks for your kind answer to my letter regarding Herr Hünig. I am sorry you were unable to arrange mathers at once, but we will hope that all will turn out well in the end. Be sure to come to Rathen with Sepp by June the first. Yesterday was a day for me which I shall never forget. Herr Hünig & I went to the Schrammsteingebeit where Herr Hünig ascended the Torwächter als erste. Then we ascended together the Jungfrau both climbing at once. Hünig led & I followed close behind him in order to back him up. Three meters from the summit we stood together in small foodsteps with smooth rock in front & nothing at all for the fingers to hold. The summit was gained by shoring Hünig over the smooth rocks until he could grasp the top with his fingers. Boditch another very fine climber came after in fine form. Erste Jungfrau besteiger.

Walter Hünig, Oliver Perry-Smith, Boditch, Hurrah! sarto dio!

The Jungfrau is the most difficult rock that has yet been climed. It ist harder to ascend than the Barbarine or Schrammtorwächter. I have much to tell you but will wait until June 1st do not fail to come then. With much love to Sepp & yourself. Your True Friend Perry

 

Beim Datum des Briefes hat sich Perry-Smith wohl geirrt. Da sowohl im Gipfelbuch vom Schrammtorwächter sowie auch als Erstersteigungsdatum der Jungfer der 27. Mai 1906 - ein Sonntag - genannt wird, muss der Brief am 28. Mai geschrieben worden sein.


3. Juni 1906

Topo vom Nordwestweg am Chinesischen Turm, Zeichnung: Helmut Schulze
Topo vom Nordwestweg am Chinesischen Turm, Zeichnung: Helmut Schulze

 

Chinesischer Turm


Nordwestweg. Sehr schwer. Erste Begehung: Oliver Perry-Smith, Walter Hünig, Rudolf Fehrmann am 3. Juni 1906. – Zunächst den leichten Kamin hinauf, der gegenüber dem Schiefen Turm auf die dem Chinesischen Turme südlich vorgelagerten Felsklippen führt. Vom Ende des Kamins nach links um die Felskante herum und, etwas ansteigend, weiter zu einem kurzen Riss in der Nordwestwand. Diesen bis zu seinem Ende empor, dann Umstieg in einen etwas weiter links gelegenen Riss und in ihm etwa 2 Meter empor, darauf auf einem Bande wieder nach rechts zum Einstieg in den von der Schulter herabziehenden Riss. Diesen hinan. Von der Schulter wie Weg a die wenigen Meter über die Südwestwand zur Spitze.


aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908


Im Kletterführer von 1923 hat Rudolf Fehrmann die Wegbeschreibung gründlich verändert:


Nordwestweg: V; Perry-Smith, W. Hünig, Fehrmann, 3.6.06. – Von W her kurzen Kamin auf die vorgelagerten Klippen hinauf. Von seinem Ende schräg links zu kurzem Riß in der NW-Wand. Bei seinem Ende Umstieg links in 2. Riß. Diesen ganz hinauf. Oben links an der Kante haltend z. G.


7. Juni 1906

Gerit Sophie Heidel, Amboss, Alter Weg V/E2, Foto: Helmut Schulze, 2026
Gerit Sophie Heidel, Amboss, Alter Weg V/E2, Foto: Helmut Schulze, 2026

 

Ambos

 

Massiger, mit einem Blocke gekrönter Felsbau nordwestlich von der Brosinnadel, mit dieser zusammenhängend, ohne selbständige Bedeutung. Besteigung ziemlich schwierig. Erste Besteigung: Oliver Perry-Smith, Franz Goetze am 7. Juni 1906.


aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908


24. Juni 1906

Robert Hahn, Spannagelturm, Perrykante VIIc/E3, Foto: Helmut Schulze, 2015
Robert Hahn, Spannagelturm, Perrykante VIIc/E3, Foto: Helmut Schulze, 2015

 

Spannagelturm

 

Ueber die Nordwestkante. Ausserordentlich schwierig und bedenklich. Erste Begehung: Oliver Perry-Smith, Arthur Hoyer am 24. Juni 1906. – Zunächst etwa 8 m empor auf eine Kanzel an der Nordwestkante. Dort mit Unterstützung einen Ueberhang überwinden, dann mit Benützung eines Risses noch etwa 10 m gerade hinauf. Sodann nach links an die Kante und an ihr emporklettern, erst etwas links, dann mehr rechts haltend, bis man einen rechterhand gelegenen, engen Riss erreicht, der auf dem Gipfel endet.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908


1. Juli 1906

Seilschaft an der Ostkante des Schiefen Turms
Seilschaft an der Ostkante des Schiefen Turms

 

Schiefer Turm-Ostkante

 

Das Foto stammt aus dem Nachlass von Oliver Perry-Smith und ist leider nicht beschriftet. Vielleicht wurde es bei der Erstbegehung der Ostkante fotografiert? Dann hätte einer der beiden auf der Aufnahme zu sehenden Nachsteiger vor dem Weiterweg kapituliert und den Rückzug angetreten, denn im Kletterführer finden sich nur zwei Namen bei den Erstbegeherdaten zur Ostkante.

 

Ueber die Ostkante. Ausserordentlich schwierig; noch schwerer wie Weg a. Erste Begehung: Oliver Perry-Smith, Walter Hünig am 1. Juli 1906. – Einstieg an der Ostkante, gegenüber dem Chinesischen Turm bei einer Birke. Hier einige Meter gerade empor zu einem abgedachten Absatz. Nun an der Ostkante (etwas nach links haltend), zuletzt mit Benutzung eines kleinen Risses, auf einen Absatz. Weiter zu einem gerade darüber liegendem Absatz gerade hinauf (hier ein Sicherungsring). Den darüber befindlichen Ueberhang mit Unterstützung überwinden und hinauf zu einem schräg nach rechts emporziehenden, seichten, rinnenartigen Einschnitt, dem man bis zu seinem Ende folgt. Dann gerade an der Kante zum Gipfel empor.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 

Die Erstbegehung der Ostkante war gleichzeitig die zweite Besteigung des Schiefen Turms.


28. August 1906

Der Teufelsturm, Foto: Helmut Schulze, 2011
Der Teufelsturm, Foto: Helmut Schulze, 2011

 

Der Teufelsturm

 

Am 28. August 1906 hielt sich Oliver Perry-Smith im Schrammsteingebiet/Schmilka auf und erkundete eine Aufstiegsmöglichkeit auf den Teufelsturm.


29. August 1906

Brief an Rudolf Fehrmann, 1906
Brief an Rudolf Fehrmann, 1906

 

Des Teufels Turm

 

Am 29. August 1906 schrieb Oliver Perry-Smith an Rudolf Fehrmann:

 

Lieber Petrus!

 

Wo im Himmel bist du? Gestern habe ich der Teufels Turm angesehen. Der ist möglich an der kante gibts dritte und griffe was wir nicht gesehen haben von oben. Der Turm werde ich wahrscheinlich besteigen Sontag. Bitte kommen 6 Uhr Zug nach Schandau. Schreibst du bitte sofort wenn du in Dresden bist.

Habe auch einen Schlafplatz gefunden wo wir ein Celt bauen können. Meine idea ist das wir schlafen im freien für so lange wie du bleibst. Nun mein lieber Petrus ich habe kein Gelt u. wenn du kommst hoffentlich kannst du was mitbringen. Habe jetzt nur 3 M.

Sagst du niemanden was wir machen Sontag. Hünig und Boditch kommen mit. Du mußt sicher kommen. Antworte sofort.

 

Dein Treuer Freund

Oliver Perry-Smith

Postelwitz bei Schandau

Friebels Restaurant

Saxony

 

Sicher kommen ich brauche Dich und auch Gelt. Herz. Gruß u. Berg Heil.

O.P.S.


1. September 1906

Ansichtskarte der Kleinen Zinne
Ansichtskarte der Kleinen Zinne

 

Kleine Zinne

 

Grosser, ziemlich selbstständiger Felsturm an der Nordseite des Falkensteins, zwischen Kunzeweg und Turnerweg. Vom Massiv durch eine grosse Schlucht losgetrennt.

Nordweg. Schwierig und anstrengend. Erste Begehung: Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith am 1. September 1906. – Einstieg etwa 10 Schritt links (östlich) vom Einstieg zum Turnerwege. Ueber eine Wandstufe zu einem hohen Kamin mit stark überhängenden Einstieg. Den Kamin hoch hinauf bis zum obersten der eingeklemmten Blöcke. Hier durch kurzen Spalt links hinan zum unter a1 genannten Tunnel, durch diesen hindurch und durch kurzen Kamin zum Gipfel.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 

Der hier beschriebene Ausstieg des Nordweges wird in heutigen Kletterführern als „Mauseloch“ geführt. Allerdings gibt es keinen Beleg, dass Rudolf Fehrmann und Oliver Perry-Smith dieses als erste Seilschaft geklettert sind, denn Rudolf Fehrmann beschreibt diesen Aufstieg bereits in seinem Kletterführer von 1908 als Variante zum Alten Weg ohne Erstbegeherangaben zu nennen.


2. September 1906

Kletterer im Alten Weg am Teufelsturm, Foto: Walter Hahn
Kletterer im Alten Weg am Teufelsturm, Foto: Walter Hahn

 

Erster Versuch am Teufelsturm

 

Am 2. September 1905 unternahmen Walter Hünig, Rudolf Fehrmann, Arthur Hoyer und Oliver Perry-Smith einen ersten, allerdings vergeblichen Versuch den Teufelsturm zu besteigen.

 

Wir merkten sehr bald: hier wird nichts, unser Hünig ist heute nicht „in Form“, aber wir wollten ihm nicht die Ehre der Führung nehmen, weshalb wir ihn stets von neuem anspornten. Indes stand ich unentwegt in der Scharte mit gesengtem Kopfe, schloß bisweilen die Augen und biß mir auf die Lippen, da mir der Rücken gräßlich schmerzte; Perry-Smith hingegen schien sich sehr wohl auf mir zu fühlen, es kam mir wenigstens so vor, als ob er einen Schuhplattler auf mir tanzte.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Teufelsturm

 

Dieses Foto von Walter Hahn ist vermutlich bei der Erstersteigung des Teufelsturms entstanden und zeigt einen der erfolglosen Versuche Walter Hünigs.


3. September 1906

Felix Gottlöber, Dreifingerturm, Südriss VIIb/E3
Felix Gottlöber, Dreifingerturm, Südriss VIIb/E3

 

Dreifingerturm-Südriss

 

Dreifingerturm. Eins der eigenartigsten Felsgebilde der Sächsischen Schweiz, das Mittlere Schrammtor südöstlich begrenzend. Der Tum besteht aus drei riesenhaften Felsplatten, die wie die drei letzten Finger einer Hand aus der Erde hervorwachsen.

Südweg. Sehr schwierig. Erste Begehung: Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith, 3. September 1906. – Vom Einstieg zum Westweg aus in die trümmergefüllte Schlucht südlich des Dreifingerturms hinein und jenseits durch engen Kamin zwischen Dreifingerturm-Südwand und angegliedertem grossen Blocke zu einem Absatz. Von da gerade durch einen engen, sehr schweren und anstrengenden Riss unmittelbar zum Gipfel.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 

Mit der Erfindung der Ufos haben sich die Möglichkeiten den Südriss abzusichern deutlich verbessert.


9. September 1906

Kletterer am Alten Weg des Teufelsturms, Foto: Walter Hahn
Kletterer am Alten Weg des Teufelsturms, Foto: Walter Hahn

 

Teufelsturm

 

Im Kletterführer von 1908 stehen dazu folgende Informationen:

 

Die Besteigung des Teufelsturms gilt für die schwerste Kletterei der Sächsischen Schweiz; der Turm ist bisher nur dreimal erstiegen worden. Erste Besteigung: Oliver Perry-Smith, Walter Hünig, Arthur Hoyer, Rudolf Fehrmann am 9. September 1906.

 

Am Ende des Kletterführers findet sich unter „Berichtigungen“ noch folgende Anmerkung: Der Teufelsturm wurde zum vierten Male erstiegen am 8. Juni 1908.

 

Das Foto aus dem Nachlass von Oliver Perry-Smith zeigt ihn vermutlich bei der Erstbesteigung des Teufelsturms.


10. September 1906

Der Bloßstock im ersten Licht des Tages, Foto: Helmut Schulze, 1995
Der Bloßstock im ersten Licht des Tages, Foto: Helmut Schulze, 1995

 

Bloßstock

 

Neuer Südweg (Fehrmannweg). Der schwerste Weg. Erste Begehung: Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith am 10. September 1906. – Der Aufstieg führt hauptsächlich durch den Spalt, der die Südwand in ihrem linken Teil durchreisst. Zunächst auf eine der unter Weg a, 3 genannten Arten zur Bloßstockscharte. Von da auf den größeren der Blöcke, die die trennende Kluft überbrücken, hinauf, dann Quergang etwa 2 Meter nach rechts zu einem ganz seichten, gewundenen Riss. Diesen empor, nach etwa 6 Metern ein Absatz, darüber ein Ueberhang, den man am besten mit Unterstützung durch einen Gefährten überwindet. Nach weiteren 6 Metern ein zweiter Absatz. Von hier den Kamin mit überhängendem Einstieg bis zu seinem Ende hinauf. Nach rechts bis auf den Mittelgipfel aussteigen. Diesen ostwärts überschreitend in eine Einschartung hinab, in die der Wenzelweg heraufkommt, und jenseits über ein schräges Wandstück zum Hauptgipfel.

 

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908


3. Oktober 1906

Helmut Heilmann, Kanzelturm, Ostweg VI/E3, Foto: Helmut Schulze
Helmut Heilmann, Kanzelturm, Ostweg VI/E3, Foto: Helmut Schulze

 

Kanzelturm

 

Ueber die Nordwestkante. Sehr schwer und exponiert. Erste Begehung: Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith am 3. Oktober 1906. – Am Fusse der Nordwestkante eine kleine Platte. Ueber sie zu einem ganz engen Risse, der an der Nordwestkante hinaufzieht. Ihm folgt man, bis er sich an der Wand verliert. Hier nach rechts zu einem gleichlaufenden Spalt und in diesem an einer (schon von unten sichtbaren) Birke vorbei zu einem Absatze. Von da nach rechts Quergang zur Schulter an der Südseite. Schliesslich über die linke Kante der der Schulter zugekehrten Wand (Südwestkante) zur Spitze.

 

Ostweg. Sehr schwer. Erste Begehung: Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith am 3. Oktober 1906. – Den Anfang des Weges siehe Weg a bis „Plateau“. Von da einen engen, etwas überhängenden Riss empor unmittelbar zur Schulter in der Südseite. Schliesslich über die rechte Kante der der Schulter zugekehrten Wand (Südosten) zum Gipfel.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908


2. Dezember 1906

Gipfelbuch vom Daxenstein, Gipfelbucharchiv des Sächsischen Bergsteigerbundes
Gipfelbuch vom Daxenstein, Gipfelbucharchiv des Sächsischen Bergsteigerbundes

 

Löschnerwand

 

Der erste Eintrag im Gipfelbuch vom Daxenstein lautet:

 

2. Dezember 06

Paul Löschner

Heini Hünig

Oliver Perry Smith

Seppl Baumgart

Arno Nietzold

auf Südostriss neuer Weg

ab gew. Weg

 

Der Südostriss wurde im Kletterführer von 1908 als Südostkante geführt, heute ist diese Route unter dem Namen „Löschnerwand“ bekannt. In den Kletterführern werden zu diesem Weg allerdings neben Paul Löschner keine weiteren Namen genannt. Fehrmanns Kletterführer enthielten bekanntlich gewisse Unschärfen, was die Auflistung von Nachsteigern betraf. Vermutlich hat später keiner der folgenden Kletterführerautoren das Gipfelbuch vom Daxenstein genauer angeschaut, so dass bis heute Löschners Seilschaftskameraden in der Fachliteratur nicht erwähnt werden.


29. März 1907

Gerit Sophie Heidel, Dürrebielenadel, Alter Weg V/E3, Foto: Helmut Schulze, 2019
Gerit Sophie Heidel, Dürrebielenadel, Alter Weg V/E3, Foto: Helmut Schulze, 2019

 

Dürrebielenadel

 

Interessante, schwierige Wandkletterei. Erste Besteigung: Rudolf Fehrmann, Oliver Perry-Smith am 29. März 1907. – Die – etwas schiefstehende – eigentliche Nadel steht auf einem hohen Sockel.

Von der Mitte des Westfusses gerade empor zu einer grossen, von unten sichtbaren Kiefer. Diese linkerhand lassend noch etwa 8 Meter aufwärts auf einen Absatz. Von da gerade hinauf über schweres Wandstück in einen Riss der zu einem grösseren Absatz führt. Nun Quergang nach rechts in die Südwand und über sie zum Gipfel. – Vom letzten Absatz kann man auch gerade empor zum Gipfel steigen.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 

Ebenfalls mit Datum vom 29. März 1907 findet man im Kletterführer die Erstbesteigung vom Kleinen Grenzturm durch Rudolf Fehrmann und Oliver Perry-Smith.

 


1. April 1907

Winklerturm, Seilschaft Rudolf Klemm an der Südwestkante, Foto: Walter Hahn, 1916
Winklerturm, Seilschaft Rudolf Klemm an der Südwestkante, Foto: Walter Hahn, 1916

 

Winklerturm

 

Nordkante. Der schwerste Weg. Erste Begehung: Oliver Perry-Smith, Walter Hünig, Rudolf Fehrmann am 1. April 1907. – Nahe der Nordkante des Turmes (Rauschengrundseite) überhängender Einstieg in den Kamin. Diesen hinauf bis zu seinem Ende unter einem Ueberhange. Hier Quergang etwa 6 Meter nach rechts zu einem unten ganz engen, stark überhängenden Riss. Diesen hinauf; weiter oben wird er leichter und geht schliesslich in eine Rinne über, die auf dem Gipfel endet.

 

Ueber die Südwestkante. Sehr schwierig. Erste Begehung: Rudolf Fehrmann, Walter Hünig, Oliver Perry-Smith am 1. April 1907. – Einstieg im linken Teil der Südwand, etwa 10 Schritt links vom östlichen (gewöhnlichen) Einstieg zum Alten Wege. Ueber kurze Wandstufe zum Beginn (hier kleine Kiefer) einer glatten, steilen, gewundenen Rinne, die zur Höhe eines dem Turm südwestlich angegliederten Felspfeilers führt. Von da aus immer an der etwas schrägen Südwestkante des Turmes empor zu einem Vorgipfel. Nach Ueberschreiten der tennenden Kluft am Hauptgipfel gerade empor zum höchsten Punkte.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908

 


19. August 1908

Delagoturm, Stabelerturm und Winklerturm, Foto: Helmut Schulze, 2025
Delagoturm, Stabelerturm und Winklerturm, Foto: Helmut Schulze, 2025

 

Fehrmannverschneidung

 

Am 19. August 1908 gelang der Seilschaft Rudolf Fehrmann und Oliver Perry-Smith die Erstbegehung einer neuen Route durch die Südwand des Stabelerturmes. In der Kletterführerliteratur wird der Aufstieg heute Südwand, Fehrmann oder Fehrmann-Verschneidung genannt und hat eine Kletterlänge von rund 150 Metern. Die Schwierigkeit ist mit IV+ angegeben, im heimischen Sandstein könnte man die Route durchaus mit VI bewerten. Der 2805 Meter hohe Stabelerturm ist der mittlere der drei über der Gartlhütte aufragenden Vajolettürme. Diese stehen in der Rosengartengruppe, welche wiederum Teil der Dolomiten ist. Idealer Ausgangspunkt für Klettertouren an den Vajolettürmen ist die auf 2621 Meter Höhe gelegene Gartlhütte. Diese konnten Fehrmann und Perry-Smith allerdings seinerzeit noch nicht als Ausgangsbasis nutzen, denn die Hütte wurde erst 1929 erbaut.


Ende August 1908

Gewitter über den Drei Zinnen, Foto: Helmut Schulze, 2024
Gewitter über den Drei Zinnen, Foto: Helmut Schulze, 2024

 

Kleine Zinne

 

In einem Artikel unter dem Titel „Im Gewitter auf der Kleinen Zinne“ im Illustrierten Kalender Bergheil 1910 berichtet Rudolf Fehrmann wie er gemeinsam mit Oliver Perry-Smith Ende August des Jahres 1908 über die Südwestwand auf die Kleine Zinne geklettert ist. Diese Klettertour diente der Erkundung einer neuen Aufstiegsmöglichkeit durch die Nordwand der Kleinen Zinne. Welche der Seilschaft im folgenden Jahr gelang.

 

Perry-Smith kehrte augenblicklich um, ich selbst trug noch flüchtig unsere Namen ins Gipfelbuch ein, da riß mein Gefährte auch schon am Seile, und in hastigen Sprüngen stürzte ich ihm nach, über das Wandstück hinab zur Bergschulter; an ein Sichern, an ein Halten dachten wir nicht mehr. Während wir den Schutthang an der Schulter hinabsprangen, blickte ich bang zum feindlichen Himmel hinauf, denn schon hörten wir das Schmettern des Donners aus unmittelbarer Nähe, schon stürmten Vorreiter des Wolkenheeres über uns hinweg.


20. September 1908

Karl Ullrich, Mönch-Nordriss, Foto: Walter Hahn, 1915
Karl Ullrich, Mönch-Nordriss, Foto: Walter Hahn, 1915

 

Nordriss

 

Nordweg (Zugang verboten). Außergewöhnlich schwere und anstrengende Rißkletterei. Oliver Perry-Smith, Arymund Fehrmann, Reinhold Greter, 20. September 1908.

 

Der Weg benützt den engen, etwas unregelmäßigen Riß, der an der Nordwand von der Prismascharte herabzieht. Von rechts her über eine Rippe zum überhängenden Einstieg in den Riß (Sicherungsring). Schwerste Stelle in etwa 2/3 Höhe. Von der Scharte auf dem üblichen Wege durch den Riß zum Gipfel.

 

aus: Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, Nachtrag 1913

 

Hier fotografierte Walter Hahn Karl Ullrich am 15. August 1915 bei der 7. Begehung des Nordrisses.

 

Für den modernen Kletterer der Neuzeit dürfte der Nord(ost)riss am Mönch die anspruchsvollste der Erstbegehungen von Oliver Perry-Smith sein. So finden sich im Gipfelbuch nur wenige Einträge von Wiederholungsbegehungen.


11. Oktober 1908

Fritz Massak, Karl Ullrich, Kurt Ulrich, Hauptdrilling, 13. Besteigung am 2.4.1911, Foto: Paul Kippe
Fritz Massak, Karl Ullrich, Kurt Ulrich, Hauptdrilling, 13. Besteigung am 2.4.1911, Foto: Paul Kippe

 

Hauptdrilling

 

Die erste Besteigung vom Hauptdrilling erfolgte am 11. Oktober 1908 durch die Seilschaft Oliver Perry-Smith und Walter Hünig in geteilter Führung. Nachsteiger waren: Bruno Henning, Arthur Hoyer, Edmund Klar und Karl Kopf. Da die Kletterer sich am Ring fixiert unterstützten, wurde dieser und folgenden Begehungen später die sportliche Anerkennung versagt. Die Kletterführer des Sächsischen Bergsteigerbundes verschweigen die Vorstiegsleistung Walter Hünigs, welche Oliver Perry-Smith in einem Brief an Rudolf Fehrmann jedoch eindeutig dokumentiert:

    

Toni steht bei der glatte rinne Heini auf sein Schulter ich von der Seite schiebte Heini höher und dann von Toni sein schulter habe ich Heini an meine Hand gehalten bis der Griff hat u. die schwere stelle überwinden konnte. Wir kam dann an eine kleine Absatz 10 oder 12 meter über ansteig. Hier ring geschlagen dann bin ich voraus – Traverse nach rechts empor 5 meter dann kam Heini und steigt auf meine arm – 5 meter unter Gipfel traff er schwierigkeiten und ich bin nachgekommen nach schwere arbeit.

 

Am 11. Oktober 1908 feierte Oliver Perry-Smith seinen 24. Geburtstag.


18. Oktober 1908

Kletterer am Muschelkopf-Alter Weg, Fotopostkarte unbekannter Herkunft
Kletterer am Muschelkopf-Alter Weg, Fotopostkarte unbekannter Herkunft

 

Schokoladenturm

 

Erste Angaben zum Muschelkopf finden sich im Kletterführernachtrag von 1913. Im Kletterführer von 1923 ist zu lesen:

 

Alter Weg: VII; Perry-Smith, A. Hoyer, 18.10.08. – Falls diese Besteigung nicht als „sportlich einwandfrei“ anzusehen ist, würde die bald darauf von Perry-Smith geführte 2. Besteigung als erste einwandfreie Besteigung zu gelten haben. – An der S-Seite, nach Überschreitung einer Kluft, Wandstufe zu Band. Dieses nach rechts zu Abs. an O-Seite. Dort auf 2. Band hinauf. Dieses nach links zurück zur SW-Kante. (Ring). die Kante, anfangs überh., z. G.

 

Ab der Kletterführerausgabe von 1961 werden zum Alten Weg zusätzlich die Nachsteiger E. Klar und K. Kopf genannt.

 

Der Name Schokoladenturm stammt wohl von den Erstbesteigern, die der Überlieferung nach ihre Namen auf einer Schokoladenverpackung am Gipfel hinterlassen haben.


12. Mai 1909

Der Zuckerhut nach dem großen Waldbrand 2022, Foto: Helmut Schulze, 2025
Der Zuckerhut nach dem großen Waldbrand 2022, Foto: Helmut Schulze, 2025

 

Zuckerhut

 

Nordweg. Sehr schwer. Oliver Perry-Smith, Artur Hoyer, 12. Mai 1909. – An der Nordwand engen Riß hinauf zu schmalem Bande. Dieses nach rechts zum Beginn eines Risses, der zum Gipfel führt.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Nachtrag – Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1913

 

Heute steht die Route als Nordostriss in den Kletterführern und wird auf Grund der sehr schlechten Felsqualität nur äußerst selten geklettert.

 


16. August 1909

Drei Zinnen mit Drei Zinnen-Hütte, Ansichtskarte um 1909
Drei Zinnen mit Drei Zinnen-Hütte, Ansichtskarte um 1909

 

Fehrmannkamin

 

Nachdem Rudolf Fehrmann und Oliver Perry-Smith im Jahr zuvor den Aufstieg erkundet hatten, durchstiegen sie am 16. August 1909 eine neue Route durch die Nordwand der Kleinen Zinne. Dieser Aufstieg steht heute als Fehrmannkamin in der Kletterführerliteratur.

 

Mehrer Stellen werden mit dem UIAA-Schwierigkeitsgrad V+ angegeben.

 

Während wir auf dem Schutzhause unser Abendessen einnahmen, waren wir leider der Mittelpunkt des allgemeinen Interesses; denn man hatte uns durchs Fernrohr beobachtet und überschwemmte uns nun mit Fragen und Urteilen. Da erfuhren wir auch, daß es keinen Zweck hätte, unsere Versuche fortzusetzen, da sich oberhalb des höchsten von uns erreichten Punktes zwei große Überhänge befänden, über die man nicht hinwegkönnte. Als höfliche Leute zeigten wir uns nicht wenig überrascht über diese Neuigkeit, dankten gerührt für diese liebenswürdige Mitteilung und schlossen uns der Ansicht an, daß es da allerdings keinen Zweck hätte, weitere Versuche zu wagen.

 

aus: Rudolf Fehrmann, Ein neuer Nordweg auf die Kleine Zinne