Augenblicke der Kletterhistorie im Elbsandstein


11. April 2021

 

Annelies Zeidler, Vorderer Gansfels, Gabelungsweg, Foto: Walter Hahn
Annelies Zeidler, Vorderer Gansfels, Gabelungsweg, Foto: Walter Hahn

 

Ein frühes Farbdia

Gelegentlich behaupten Hobbyhistoriker, Walter Hahn hätte keine kletternden Frauen fotografiert. Hat er doch und sogar in Farbe. Am Tag der Entstehung dieses Fotos – vermutlich irgendwann in den späten 1940-er oder frühen 1950-er Jahren – als er mit Annelies Zeidler am Vorderen Gansfels unterwegs war, hatte er sogar zwei Fotoapparate dabei. So gibt es von dieser Begehung des Gabelungsweges sowohl Schwarzweiß- als auch Farbaufnahmen.

Annelies Türichen wurde 1918 geboren. Ihr erster Ehemann starb im Zweiten Weltkrieg. 1962 heiratete Annelies Zeidler Gerhard Rößger und nahm dessen Namen an.

Wer heute den Gabelungsweg klettern möchte, sollte sicherheitshalber einen Blick in eine alte Kletterführerausgabe werfen (Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, 1908) denn mit den stark zusammengekürzten Aufstiegsbeschreibungen aktueller Kletterführer ist die Route kaum auffindbar.


4. April 2021

 

Exlibris von Walter Fritsche, Entwurf von Hanns Herzing
Exlibris von Walter Fritsche, Entwurf von Hanns Herzing

 

Bucheignerzeichen

Exlibris, also Besitzvermerke, sind Schmuckblätter in Büchern. Diese Bucheignerzeichen hatten ihre Blütezeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930-er Jahre. Vom ursprünglichen Zweck, nur das Eigentumsrecht des Buchbesitzers anzuzeigen, entwickelten sie sich zu einer eigenständigen Kunstform. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich von namhaften Künstlern sein persönliches Exlibris gestalten.

Walter Fritsche (1896–1974), war weniger als Felskletterer, sondern in Szene als Freund des Berggesanges bekannt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1920 in der Gesangsabteilung des Sächsischen Bergsteigerbundes aktiv, wurde Fritsche in der Nachkriegszeit Gründungsmitglied der "Bergfinken". Zeitweise nahm er die Funktion als deren Vorstand wahr. Walter Fritsche schrieb auch die Texte einer Reihe von Bergliedern, so dem Bergfinkenlied.

Hanns Herzing (1890–1971), ein bekannter Dresdner Kunst- und Landschaftsmaler gestaltete dieses Exlibris. Seine Ölgemälde, speziell Alpenpanoramen hingen in den Wohnzimmern vieler sächsischer Bergsteiger. In Herzings Atelier gab es regelmäßig Ausstellungen zum Thema "Landschaft der Berge".



28. März 2021

 

Seilschaft am Lolaturm, Foto: Erich Gorlt
Seilschaft am Lolaturm, Foto: Erich Gorlt

 

Bergsteigen in den Nachkriegsjahren

Der Mangel der Nachkriegsjahre schlägt sich auch in der Fotografie nieder. So gibt es aus dem Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kaum Kletterfotos, die der Qualität vorangegangener und nachfolgender Epochen mithalten können.

Walter Lenk klettert hier den 1946 von Alfred Rohde erstbegangenen Erwin-Esche-Gedächtnisweg am Lolaturm. Der Routenname fand allerdings bei den Offiziellen keine Anerkennung, sondern stand zunächst als Südkante im Kletterführer. Heute ist die Lolakante für ihre eher übersichtliche Absicherbarkeit und durchwachsene Felsqualität bekannt, aber vor allem berüchtigt.

Der Fotograf Erich Gorlt (1907–1988) gehörte 1946 zu den Gründungsmitgliedern der Märchentürmer. Entsprechend ist auf vielen seiner Bilder die Seilschaft um Karlheinz Gonda zu sehen. Ein wesentlicher Teil von Gorlts Fotos befindet sich heute im Bestand der Deutschen Fotothek Dresden.


21. März 2021

 

Hochbetrieb auf der Heringsgrundnadel, Schmilka, Foto: Rudolf Weinhold
Hochbetrieb auf der Heringsgrundnadel, Schmilka, Foto: Rudolf Weinhold

 

Hochbetrieb auf der Heringsgrundnadel

 

Die Talseite an der Heringsgrundnadel wurde am 11. Juli 1920 von Otto Dietrich (1896–1961) erstbegangen. Otto Dietrichs Bericht über die Erstbegehung ist im Oktoberheft 1931 der Zeitschrift des SBB abgedruckt.

 

Hier auf dem Foto ist vermutlich eine frühe Wiederholungsbegehung aus den 1920-er Jahren zu sehen. Wer genau hinschaut, entdeckt einen weiteren Kletterer im Alten Weg.

 

Das Bild ist ein digital aufgearbeiteter Abzug von einem Glasplattennegativ. Über den Fotografen Rudolf Weinhold ist (mir) nur wenig bekannt. In der Zeitschrift des Sächsischen Bergsteigerbundes "Der Bergsteiger", Heft 7 von 1926 findet sich die  Ankündigung, dass Rudolf Weinhold in der Vertretersitzung am 27. Juli einen Vortrag zum Thema "Bergfahrten in der Sächsischen Schweiz" halten wird. Eine Rezension zum Vortrag wurde dann im Septemberheft des Jahres veröffentlicht. 


14. März 2021

 

Gipfelzeichen auf dem Falkenstein, Foto: Otto Fleischmann
Gipfelzeichen auf dem Falkenstein, Foto: Otto Fleischmann

 

Gipfelzeichen auf dem Falkenstein

 

Die Wetterfahne wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Gipfel des Falkensteins von Kletterern der Sektion Dresden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins angebracht. Wohl bis zum Jahr 1929 befand sich der Falke dort oben. Heute hat die aus Kupferblech gefertigte Wetterfahne Ihren Platz im Heimatmuseum von Bad Schandau gefunden.

 

Das Foto wurde von Otto Fleischmann aufgenommen und fand als Ansichtskarte Verbreitung. Fleischmann war Mitglied im Kletterklub "Schrammtorsöhne", welcher eine Hütte im Zahnsgrund hatte. Entsprechend existiert eine ganze Reihe von Ansichtskarten mit Klettermotiven aus den Schrammsteinen von Otto Fleischmann.