Augenblicke der Kletterhistorie im Elbsandstein


25. Februar 2024

Einladung zum Stiftungsfest der Bergler-Gilde-Königstein, 1938
Einladung zum Stiftungsfest der Bergler-Gilde-Königstein, 1938

 

Affenjagd in Rathen

Die Bergler-Gilde-Königstein (BGK) wurde 1934 gegründet. Zu den Mitgliedern gehörten laut der Festschrift von 1938: Willy Eidner, Walter Goll, Helmut Großer, Arthur Heinrich, Felix Klahre, Gerhard Liebner, Kurt Nitzschmann, Arnold Otto, Robert Pautzsch, Herbert Thierbach, Erich Wauer, Alexander Weyhmann und Albert Haude, dessen Einladung zum Stiftungsfest hier zu sehen ist.

Albert Haude erlangte traurige Berühmtheit durch die 1000. Besteigung der Barbarine. Kurt Nitzschmann und dessen Freundeskreis wollte sich diese Jubiläumsbesteigung sichern. Am 8. September 1921 sollten die acht noch ausstehenden Besteigungen geklettert werden. Allerdings riss nach der 999. Besteigung das Hanfseil beim Abseilen und Ernst Strobel verunglückte tödlich. Arthur Nittel und Kurt Nitzschmann saßen ohne Seil auf dem Gipfel fest. Sie wurden von Albert Haude gerettet, der allein zum Gipfel stieg. Der Eintrag zur 1000. Besteigung wurde dann von Kurt Nitzschmann im Gipfelbuch dokumentiert.


18. Februar 2024

Kletterer am Ottostein, Ansichtskarte um 1910
Kletterer am Ottostein, Ansichtskarte um 1910

 

Jugendstil

Die Ostkante, eine der beliebtesten Kletterein an den Gipfeln rund um den Daxenstein, wurde laut Kletterführer am 18. Mai 1924 von Walter Sobe erstbegangen. Diese Daten tauchen erstmals im Kletterführer von 1984 auf, im Führer von 1981 war der Erstbegeher noch unbekannt. Auf der Karte sieht man eine Seilschaft in genau jener Ostkante klettern. Meiner Meinung dürfte diese Karte, die leider keine Verlagssignatur enthält und auch nicht postalisch gelaufen ist, aber eher aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stammen. Denn für den Schriftzug "Sächs. Schweiz" hat der Herausgeber eine Schriftart gewählt, die dem "Jugendstil" zuzurechnen ist und die Mitte der 1920-er Jahre eigentlich nicht mehr gebräuchlich war.

Sowohl die Ostkante und der benachbarte "Neue Südostweg" gehören zu den häufig gekletterten Aufstiegen am Ottostein. Allerdings benutzen beide Routen bei genauer Betrachtung den selben Korridor. Die Griffe, welche man an der Ostkante für links nimmt, hat man im Neuen Südostweg in der rechten Hand. Vermutlich wollten die Kletterführerautoren möglichst viele Routen in ihrem Werk stehen haben, so fanden beide Wege Aufnahme.

Noch etwas ist auffällig. Im Kletterführer von 1984 verlief der Neue Südostweg links vom Südostweg, ab 1991 rechts von diesem.


11. Februar 2024

Bergsteigerfeier, Foto: Walter Hahn, um 1960
Bergsteigerfeier, Foto: Walter Hahn, um 1960

 

Alte Bergsteiger

Genauere Angaben zu diesem Foto fehlen mir leider. Es soll sich hier um eine Zusammenkunft älterer Kletterer am Haus von Albert Kunze in Kleinhennersdorf handeln. Dieser ist vermutlich der betagtere Herr im schwarzen Jacket, in der rechten Gruppe stehend. Eine weitere Person lässt sich identifizieren: Arthur Hoyer steht - auffallend "leger" gekleidet - unmittelbar links der Säule.

Albert Kunze (1879–1965) erlangte in der sächsischen Kletterszene Ruhm durch seine am 7. Juni 1903 erfolgte Erstbesteigung vom Gipfel "Lokomotive-Esse", was heute als die Geburtsstunde der Wandkletterei im Elbsandsteingebirge betrachtet wird. Der Überfall von der Pfeife zur Esse wird seitdem auch "Kunzeschritt" genannt. Dem Vorangegangen war allerdings eine Besteigung, der von der kletternden Gemeinschaft die Anerkennung versagt wurde.

Kunze schrieb darüber in den Mitteilungen des Sächsischen Bergsteigerbundes e. V. vom November 1919: Perry-Smith entwickelte eine fabelhafte Geschicklichkeit im Kugelwerfen, seine Vorfahren müssen Büffeljäger gewesen sein. In mächtigem Schwunge ließ er an einem Bindfaden die Eisenkugel über seinen Kopf kreisen, und dann "huih" pfiff sie über die Esse.


4. Februar 2024

Werbeplakat Trachtenfest, Sektion Dresden, 1913
Werbeplakat Trachtenfest, Sektion Dresden, 1913

 

Kriegerisches Trachtenfest

Jedes der meist Anfang Februar stattfindenden Trachtenfeste der Alpenvereinssektion Dresden stand unter einem anderen Motto. "Grüss Gott zum Markt im Pustertal" war auf dem Plakat von 1905 zu lesen. 1910 feierte man die Sonnenwende am 4. Februar und 1912 wurde eine "Hochzeit in die Berg'." veranstaltet.

Zum Trachtenfest 1913 lautete das Motto dann "Ein Manöverrasttag in Tyrol". Ob Europa damals schon in Kriegsstimmung war, beziehungsweise man den Krieg ahnte? Im Sommer 1914 war der Erste Weltkrieg Realität, ab 1915 mit einer Gebirgsfront durch Tirol und die Dolomiten. Als Kriegsfolge wurde Tirol geteilt, der Süden gehörte fortan zum italienischen Staat. Dadurch verlor auch die Sektion Dresden vier ihrer fünf Alpenhütten. Konkret war das die Zufallhütte im Ortlergebiet, die Franz-Schlüter-Hütte im Villnößtal (Dolomiten) und die ebenfalls in den Dolomiten, genauer gesagt in der Palagruppe gelegene Pravitalehütte, sowie die in der selben Gebirgsgruppe befindliche Canalihütte. Nur die in den Stubaier Alpen stehende Dresdner Hütte blieb der Sektion erhalten.

Die Schreibweise von "Tyrol" - einem Ypsilon mit zwei Pünktchen darüber - ist heute nicht mehr gebräuchlich und der Buchstabe in dieser Form fast in Vergessenheit geraten. 


28. Januar 2024

Abzeichen "Junger Bergsteiger der DDR", Ausführung von 1975
Abzeichen "Junger Bergsteiger der DDR", Ausführung von 1975

 

Junger Bergsteiger

Ab 1975 wird das beliebte Abzeichen "Junger Bergsteiger" in einer neuen Ausführung verliehen. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir nochmals die Bedingungen des Abzeichens:

Altersgruppe 1 (bis 12 Jahre): Besteigung von 15 verschiedenen Kletterfelsen innerhalb eines Jahres.

Altersgruppe 2 (12–14 Jahre): Besteigung von 20 verschiedenen Kletterfelsen innerhalb eines Jahres, bei Jungen dabei mindestens 5 Wege des Schwierigkeitsgrades III.

Altersgruppe 3 (14–16 Jahre): Besteigung von 30 verschiedenen Kletterfelsen innerhalb eines Jahres, davon mindestens 10 Wege des Schwierigkeitsgrades IV bei Jungen, bzw. III bei Mädchen.
...


Das Abzeichen kann jährlich neu erworben werden. Bei viermaliger Erfüllung der Bedingungen erhält der Sportler das Bergsteigerabzeichen in Bronze.
Für die neue Ausführung des Abzeichens wird ein Betrag von 0,50 M und 0,20 M Porto erhoben, der der Bewerberkarte (in Briefmarken) beizufügen ist.
ZFK Felsklettern

aus: Der Tourist, Heft 8/75


21. Januar 2024

Fotopostkarte von Walter Hahn um 1915
Fotopostkarte von Walter Hahn um 1915

 

 

Bergsteigerhumor

Das hier gezeigte Foto wurde als Feldpostkarte im Mai 1915 versendet. Empfänger war Karl Lotzmann, Gründungsmitglied des T. C. Frankensteiner 1910, Absender seine Clubkameraden. Lotzmann war zu dieser Zeit als Sanitätssoldat im Westen eingesetzt.

Ein weiteres Mal findet sich dieses Foto mit der Bildunterschrift "Der Bergtod" im Buch "Bergsteigen in Sachsen", welches 1936 zum 25-jährigen Jubiläum des Sächsischen Bergsteigerbundes erschienen ist.

Nicht nur von Walter Hahn, auch von Rudolf Kobach sind verschiedene Aufnahmen zum Thema "Bergsteigerhumor" bekannt. Private lustige Fotos einzelner Kletterklubs seien hier natürlich auch erwähnt – wovon einige ebenfalls im oben genannten Buch abgebildet sind.

 


14. Januar 2024

Kletterer an der Großen Herkulessäule, Foto: Alfred Hering um 1935
Kletterer an der Großen Herkulessäule, Foto: Alfred Hering um 1935

 

Heimat in Schwarzweiß

Alfred Hering (1891–1966) war ein weiterer Fotograf, der Ansichtskarten mit Motiven aus der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge produzierte. "Lichtbildverlag A. Hering, Königstein" ist auf den Kartenrückseiten zu lesen. Handabgezogene Fotopostkarten der Firma "Foto-Hering, Königstein" gab es noch bis zum Ende der 1980-er Jahre an verschiedenen Stellen in der Sächsischen Schweiz zum Preis von 25 Pfennigen zu kaufen. Der Verlag, ab 1963 vom Sohn Theodor Hering geführt, existierte von 1922 bis 1989.

Neben unzähligen Landschaftsfotos fanden sich nur einige wenige Karten mit Klettermotiven darunter. Alfred Hering scheint also keine direkte Beziehung zum Felsklettern gehabt zu haben, die Fotos sind vermutlich nur zufällig entstanden. Allerdings waren Hering und seine Ehefrau Hilde Mitglieder in der Alpenvereinssektion Dresden. Im Jahresbericht für die Kalenderjahre von 1922–1924 wird die Villa Diana in Gohrisch als Wohnanschrift des Ehepaares genannt.

Von der in den Stubaier Alpen gelegenen und der Sektion Dresden gehörenden "Dresdner Hütte" gibt es eine Reihe von Postkarten, welche Alfred Hering fotografiert und hergestellt hat. Wie Hüttenstempel belegen, wurden diese Karten über Jahre vor Ort verkauft.


7. Januar 2024

Jungfer-Ostkante, Fotopostkarte von Lothar Wetzel
Jungfer-Ostkante, Fotopostkarte von Lothar Wetzel

 

(K)eine Modetour

Nordostkante VII; Strubich, A. Sieber, K. Eisold, 26. 5. 18. – Von W kurzer Kamin zur Scharte. Nach links ansteigend zur Kante. Diese hinauf, oben nach links über auffallenden Zacken u. gerade z. G.
aus: Rudolf Fehrmann, Der Bergsteiger im Sächsischen Felsengebirge, 1923

Fotos von der Ostkante an der Jungfer finden sich relativ häufig in den Beständen früher Kletterfotografen. Von Walter Hahn gibt es davon Ansichtskarten, ebenso von Otto Fleischmann, wie auch die hier abgebildete Karte von Lothar Wetzel. Die Ostkante scheint wohl damals geradewegs eine Modetour gewesen zu sein - im Vergleich zur Gegenwart, da zählt sie zu den eher selten begangenen Klassikern.

Über den Fotografen dieser Aufnahme Lothar Wetzel scheint wenig bekannt zu sein. Im 2022 erschienenen und von Matthias Krell erarbeiteten Buch über Emanuel Strubich finden sich erstmalig biografische Angaben zu seiner Person. Bekannt ist Wetzel durch eine Vielzahl von Fotopostkarten der Sächsischen Schweiz. Meist sind es Landschaftsbilder, aber es sind auch interessante Kletterfotos darunter, wie vom Hauptdrilling oder dem Bloßstock.