Augenblicke der Kletterhistorie im Elbsandstein


5. Februar 2023

Werbeplakat der Sektion Dresden von 1910
Werbeplakat der Sektion Dresden von 1910

 

Sonnenwende im Februar

Deutlich mehr als in der heutigen Zeit waren die Dresdner Sektionen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins zum Beginn des 20. Jahrhunderts Teil des kulturellen Lebens der Stadt. Sie veranstalteten neben Vorträgen auch zahlreiche Feste. Speziell im Winterhalbjahr, wenn Kälte und die kurzen Tage Aktivitäten im Gebirge nur eingeschränkt zuließen.

Zu diesen Trachtenfesten gab es eine entsprechende Kleiderordnung, die da lautete:
Anzug für Herren: Tracht, Sepplhose, kurze Hose, Joppe (Gesellschafts-, Sport- und Straßenanzug verbeten)
Anzug für Damen: Tracht oder Dirndl (Straßen- und Sommerkleid oder Gesellschaftskleidung verbeten)

Die größte und älteste Alpenvereinssektion der Landeshauptstadt war die seit 1873 bestehende Sektion Dresden. 1901 wurde die Akademische Sektion Dresden gegründet, 1906 folgten die Sektionen Wettin und Meissner Hochland. Mit dem etwas irreführenden Namen "Allgemeiner Turnverein Dresden" bildete sich 1910 eine weitere Alpenvereinssektion in der sächsischen Residenz.


29. Januar 2023

Kletterer an der Falkennadel, Ansichtskarte der Kunstanstalt Krille & Martin, vor 1912
Kletterer an der Falkennadel, Ansichtskarte der Kunstanstalt Krille & Martin, vor 1912

 

Wo steht die Falkennadel?

Auf dem ersten Blick kann man diesen Gipfel schlecht zuordnen. Der heute so benannte Gipfel "Falkennadel" im Bielatal ist es jedenfalls nicht. Im Hintergrund sehen wir landwirtschaftlich genutzte Fläche und vermutlich ein Haus von Eiland. Sollte es gar ein Gipfel auf böhmischer Seite sein?

Aufklärung findet sich im Buch "Die Namen unserer Klettergipfel". Dort ist zur heutigen Falkennadel zu lesen: Nach alten Fotos wurde um 1920 der Pfeiler rechts in der Talseite von Adam und Eva als "Falkennadel" bezeichnet. Da der Pfeiler für einen Gipfel zu klein und zu unselbstständig war, wurde der Name in den 1960er Jahren auf diesen nordwestlich benachbarten Turm übertragen.

Ackerbau gibt es im Eiländer Kessel seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf großen Teilen der einstigen Landwirtschaftsflächen wächst wieder Wald. 


22. Januar 2023

Stiftungsfest, privates Foto, vermutlich 1930-er Jahre
Stiftungsfest, privates Foto, vermutlich 1930-er Jahre

 

Der Humor kommt nicht zu kurz

Auf dem Foto ist offensichtlich das Aufnahmeritual eines neuen Klubmitglieds zum Stiftungsfest eines Bergsteigerklubs zu sehen. Bei einigen heimischen Kletterklubs werden neue Mitglieder einem derartigen Prozedere unterworfen. Sie müssen sich erniedrigen lassen, um sich damit als würdig zu erweisen, Teil eines illustren Personenkreises zu sein. Wie auch bei Geheimbünden üblich, findet man in den zahlreichen Festschriften von Kletterklubs eher wenige Aufzeichnungen zu derartigen Initialisierungsritualen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass man künftigen Aspiranten nicht die Überraschung nehmen möchte.

Teil eines der harmloseren Aufnahmerituale ist, zwei um Klubaufnahme bemühte Kandidaten müssen sich mit verbundenen Augen gegenseitig mit Schokoladenpudding füttern.

Derartige Initialisierungsrituale finden allgemein bei Personengruppen statt, die in ihrem Selbstbild Teil einer Elite sind. Also beispielsweise bei Studentenverbindungen, Gebirgsjägereinheiten der Bundeswehr und natürlich auch bei den sächsischen Bergsteigern.


15. Januar 2023

Kletterer im Alten Weg des Johanniskegels, Foto: Walter Hahn, 1916
Kletterer im Alten Weg des Johanniskegels, Foto: Walter Hahn, 1916

 

"Hauptschwierigkeit umgangen"

Erstbestiegen wurde der Johanniskegel am 31. Juli 1904 von Oskar Adam, Paul Witschold, Theodor Huhle und G. Graf. Im Kletterführer von 1908 steht folgende Aufstiegsbeschreibung: Durch die Südwand des Kegels zieht ein Riss herab, aus dem eine Birke herauswächst. Durch diesen Riss bis zum Überhang des Gipfelblocks. Hier über die Wand zur Linken zum Gipfel.

Wie man auf dem Foto sieht, ist der Vorsteiger vom Absatz weg (dort wo heute eine Sicherungsöse steckt) nicht den Riss direkt hoch geklettert, sondern im deutlichen Rechtsbogen an der Kante empor gestiegen. Auch auf anderen Fotos aus dieser Zeit sieht man die Bergsteiger diese Variante klettern. Offenbar ist die Aufstiegsbeschreibung im Kletterführer – damals wie heute – etwas verkürzt wiedergegeben. Der abdrängende Riss gerade hoch ist deutlich anspruchsvoller, als die auf dem Foto ersichtliche Wegführung. Für gewöhnlich wählten die Erstbesteiger unserer Sandsteintürme aber den Weg des geringsten Widerstands.

Walter Hahn fotografierte hier 1916 die Seilschaft Rudolf Klemm. Der 1897 in Schandau geborene Rudolf Klemm fiel im selben Weltkriegsjahr in Serbien.


8. Januar 2023

Benzinkocher Juwel 34
Benzinkocher Juwel 34

 

Barthel-Bombe

Ob in der Boofe oder im Hochgebirge, in der DDR gab es über Jahrzehnte eigentlich nur einen Kocher für diejenigen, die draußen mit dem Rucksack unterwegs waren. Den Benzinkocher Juwel 34. Der arbeitete allerdings oft nicht störungsfrei. Ob bei sehr tiefen Temperaturen oder in großen Höhen der Gebirge, forderte er von den ihm nutzenden Bergsteigern ein Übermaß an Geduld und Bastelwillen. Was speziell für all jene Bergsteiger, die offiziell oder per Transitvisum in den mittelasiatischen Gebirgen oder im Kaukasus unterwegs waren, zu einem teilweise ernsthaften Problem wurde.

Der Kocher war zwar, wie vom Hersteller angegeben, explosionssicher, jedoch gibt es reichlich Geschichten, wie das eine oder andere Mal Benzin mit sich entzündender Stichflamme durch das Überdruckventil oder die im Laufe der Nutzungsdauer porös gewordenen Dichtungen entwich. Was zu einer Reihe von "Beinahekatastrophen" auf Berghütten oder im Zelt führte und für den Namen "Barthel-Bombe" sorgte. (Ursprünglich baute die Dresdner Firma "Gustav Barthel" den Kocher.)

Mit den mitgelieferten Werkzeugen und Ersatzteilen konnten handwerklich begabte Bergsteiger den Kocher komplett zerlegen und reinigen und somit in vielen Fällen wieder zum Laufen bekommen. Da man den Kocher zudem vorheizen musste, war er meist deutlich verrußt – was nicht nur bei Reperaturarbeiten für schwarze Finger sorgte.


1. Januar 2023

Abzeichen der Ski-Zunft Dresden
Abzeichen der Ski-Zunft Dresden

 

Klettern und Skilanglauf

Die Ski-Zunft Dresden wurde im März 1923 gegründet. Anders als es der Name vermuten lässt, waren die Mitglieder sowohl Kletterer als auch Skilangläufer. 1932 trat die Ski-Zunft als Kletterabteilung dem Sächsischen Bergsteigerbund bei.

Eines der Gründungsmitglieder der Ski-Zunft war Gustav Karnagel (1870–1938), Kaufmann und Inhaber vom gleichnamigen Sporthaus Karnagel. Sein Sporthaus beherbergte auch die Geschäftsstelle des SBB, wie man beispielsweise einer Werbeanzeige im Kletterführernachtrag von 1927 entnehmen kann.

Wie alle Sportvereine wurde auch die Ski-Zunft 1945 von den Allierten verboten. Nach dem politischen Zusammenbruch der DDR fanden sich im Jahr 1990 Sportfreunde, welche die Ski-Zunft Dresden revitalisierten.