Augenblicke der Kletterhistorie im Elbsandstein


2. Oktober 2022

 

Johanna Martha und Rudolf Fehrmann in den 1920-er Jahren
Johanna Martha und Rudolf Fehrmann in den 1920-er Jahren

 

Kletterführerautor und Kriegsgerichtsrat

Über Rudolf Fehrmann und dessen Leistungen fürs sächsische Klettern sind schon unzählige Artikel geschrieben worden. Erstbesteiger – unter anderem von Barbarine und Chinesischen Turm, Autor des Kletterführers, Spiritus Rector der sächsischen Kletterregeln, Vorsitzender der Sektion Dresden des DÖAV. Nur mit der Aufarbeitung seiner nationalsozialistischen Vergangenheit tat man sich sowohl beim Sächsischen Bergsteigerbund als auch bei der Alpenvereinssektion Dresden lange Zeit ziemlich schwer.

Speziell Dietrich Hasse versuchte über Jahrzehnte Fehrmanns Ansehen nicht zu "beschädigen". So schreibt Hasse im Buch "Wiege des Freikletterns", erschienen im Jahr 2000:

Fälle irgendwelcher Willkürurteile oder dergleichen bei seiner Tätigkeit als Wehrmachtsrichter ("Kriegsgerichtsrat") konnten ihm nie vorgeworfen werden. Hätte es so etwas gegeben, so wäre das während der Herrschaftsbedingungen der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR gegen ihn als den Vertreter des bitter attackierten "bürgerlichen Bergsteigens" und gegen seine nach wie vor vorhandene Verehrung seitens der "reaktionären" Gruppierungen der sächsischen Bergsteiger liebend gern in aller Breite ausgeschlachtet worden. Aber so etwas gab es eben nicht.

Die Unterlagen, die über Rudolf Fehrmanns Tätigkeit als Wehrmachtsrichter Aufklärung geben können, beispielsweise über die von ihm gefällten Todesurteile, befinden sich im Militärarchiv der Bundeswehr in Freiburg. Darauf hatten die Historiker der DDR keinen Zugriff. Dietrich Hasse hätte dort sehr wohl recherchieren können.


25. September 2022

 

Abzeichen der Klettervereinigung der Sektion Dresden des DÖAV
Abzeichen der Klettervereinigung der Sektion Dresden des DÖAV

 

Klettern im Zeichen vom Edelweiß

Obwohl traditionell die Arbeitsgebiete von Alpenvereinssektionen eher im namensgebenden Hochgebirge lagen, wurde von Mitgliedern der Sektion Dresden des DÖAV natürlich auch im Elbsandsteingebirge geklettert. Einen der ersten sächsischen Kletterklubs, den "KC Die Falkensteiner 1895" gründeten die Mitgliedern der Alpenvereinssektion Dresden auf Anregung von Siegfried Meurer. Prominentes Mitglied war Oscar Schuster.

Die KVSD (Klettervereinigung der Sektion Dresden des DÖAV) wurde zum Beginn des Jahres 1922 ins Leben gerufen. Vier Jahre später weihten die Mitglieder der Klettervereinigung ihre selbst erbaute Hütte in Krippen ein. Entsprechend eines Berichts im Februarheft des Jahres 1932 in den "Nachrichten der Sektion Dresden" umfasste die Mitgliederzahl der Klettervereinigung zu diesem Zeitpunkt 100 Personen.

Unlängst feierte sich der Sächsische Bergsteigerbund in den Sozialen Medien dafür, dass er am 10. September 2022 seinen ersten Sektionsklettertag veranstalten wolle. Sektionsklettertage an den heimischen Sandsteingipfeln gibt es bei der Sektion Dresden seit vielen Jahren, und zwar regelmäßig in der Klettersaison, jeweils einmal im Monat.


18. September 2022

 

Kletterer an der Lehnkuppel, Kunstanstalt Krille & Martin, Dresden - A.
Kletterer an der Lehnkuppel, Kunstanstalt Krille & Martin, Dresden - A.

 

Wann eroberten Bergsteiger die Lehnsteignadel?

Aufmerksamen Betrachtern wird es nicht entgangen sein, dass diese Ansichtskarte nicht die Lehnkuppel zeigt, sondern den Alten Weg an der Lehnsteignadel. In aktuellen Kletterführern wird zur Erstbesteigung nur folgende Information genannt: vor 1943. An Hand der Karte lässt sich dieses Datum weiter konkretisieren.

Der Verlag Krille & Martin existierte unter diesem Namen laut der Dresdner Stadtadressbücher nur bis 1912. Die Geschäftstätigkeit wurde dann, entsprechend eines Eintrags im Adressbuch von 1913, unter der neuen Firmenbezeichnung "Graphische Werke G.m.b.H. Dresden" fortgeführt.

Zudem tragen die Karten des Verlages eine Bestellnummer. Die hier gezeigte Karte hat die Nummer 189B. Eine andere mir vorliegende Karte des Verlages (Bestellnummer 204B) ist postalisch gelaufen, mit einem erkennbaren Stempel vom 9.8.1911.

 

Diese Belege sprechen dafür, dass die Erstbesteigung der Lehnsteignadel deutlich vor dem 9. August 1911 erfolgt sein muss.


11. September 2022

 

Schrammsteingebiet, Spezialkarte von 1922
Schrammsteingebiet, Spezialkarte von 1922

 

Nilpferd und Löwenkopf

1922 erschien im Selbstverlag von Johannes Schulz eine Karte des Schrammsteingebietes im Maßstab 1 : 12500. Für Kletterer war diese Karte von besonderem Interesse, denn sie enthielt sämtliche Kletterfelsen. Diese wurden vermutlich von Siegfried Störzner (1887–1968) in die Karte eingearbeitet. Störzner, von Beruf Lehrer, beschäftigte sich in seiner Freizeit mit Heimatgeschichte und ging zudem klettern. Der am Heulenberg (in der Nähe der Buschmühle) stehende Störznerfels ist nach ihm benannt.

Johannes Schulz (1891–1961) war Stadtgeometer in Dresden, die heutige Berufsbezeichnung wäre wohl Vermessungsingenieur. Er hatte also die besten Vorraussetzungen zum Erstellen von Landkarten.

Wer genau auf die Karte schaut, entdeckt auch Gipfelnamen die niemals in einem Kletterführer aufgetaucht sind. (Die Quackenführer aus dem "Darknet" bleiben hier besser unerwähnt.) So befindet sich neben dem Viererturm ein Herbertfels. An den Hängen des Kirnitzschtals gibt es einen Löwenkopf zu entdecken und unweit des heute noch offiziellen Gipfels "Schweinskopf" steht ein Nilpferd hoch über dem Fluss.


4. September 2022

 

Deckblatt vom American Alpine Journal 1964
Deckblatt vom American Alpine Journal 1964

 

Fritz an Fritz

Im August 1980 schickte der in Amerika lebende Fritz Wiessner ein Exemplar des vom American Alpine Clubs herausgegebenen Buches an den DDR-Sportfunktionär Fritz Leder.

"an Fritz Leder mit allen guten Wünschen und in Erinnerung an unseren großen Vorgänger Oliver dessen Herz unserer Heimat gehörte
Von Fritz W. Aug. 15, 1980"

1964 erschien im American Alpine Journal ein umfangreicher Artikel über Oliver Perry-Smith, welcher Ehrenmitglied im American Alpine Club war.

Fritz Leder (1926–2012) war damals Vizepräsident des DWBO. Er setzte sich in den 1980-er Jahren nachdrücklich – leider erfolglos – beim Präsidenten des DTSB der DDR Manfred Ewald für eine Amerikareise von Bernd Arnold ein. Dieser war von Fritz Wiessner, beziehungsweise dem American Alpine Club mehrmals zu einem Kletteraufenthalt in die Vereinigten Staaten eingeladen worden.


27. August 2022

 

Übergang zum Gipfel des Vorderen Torsteins, Fotopostkarte von Otto Fleischmann
Übergang zum Gipfel des Vorderen Torsteins, Fotopostkarte von Otto Fleischmann

 

100 Jahre Erkerweg

Am 27. August 1922 gelang der Seilschaft Walter Sobe, G. Wollmann und G. Pahl die Erstbegehung des Erkerweges am Vorderen Torstein. Sowohl in der Kletterführerausgabe von 1923 als auch in den Nachträgen von 1927 und 1950 fand die Route keine Erwähnung. Erstmals wurde der Aufstieg im Kletterführer von 1953 beschrieben.

"– An der SW-Ecke, links neben Zahl 182, kl. Pfeiler. Auf ihn an dessen S-Seite hinauf. Nun die rechte (SW-) Kante des mächtigen vorspringenden Felserkers, den Einstiegsüberhang r. umgehend, zum Mittelgipfel. (unterwegs 2 Ringe). Übergang nordwärts z. Hauptg. –"

Die mit der Mehrdimensionalität des heimischen Bergsports weniger vertrauten Kletterer erwartet beim Übergang vom Vor- zum Hauptgipfel noch eine Überraschung: der hier abgebildete Überfall.


21. August 2022

 

Ansichtskarte vom Jägerhorn, Graph. Kunstanstalt Trau & Schwab, Dresden-A. 19
Ansichtskarte vom Jägerhorn, Graph. Kunstanstalt Trau & Schwab, Dresden-A. 19

 

Hoch überm Gabrielensteig

Die klettersportliche Erschließung des böhmischen Teils vom Elbsandsteingebirge begann im März 1888. In diesem Monat gelang der Seilschaft Carl Beck, Siegfried Meurer, Conrad Meurer und Friedrich Meurer die Erstbesteigung vom Beckstein. Zur gleichen Zeit stand Friedrich Meurer als Erster auf dem Jägerhorn.

Die hohen weithin sichtbaren Gipfel rund um das Prebischtor gelangten zuerst in den Blickpunkt des Interesses der Bergsteiger im böhmischen Teil des Elbsandsteingebirges. 1894 eroberten Friedrich Meurer und Oscar Schuster den Zuckerhut, die Schildkröte und den nördlichen Gipfelkopf der Huschenwächter, welcher heute allerdings nur als Vorgipfel des Kleinen Huschenwächters zählt. Etwa vier Jahre später erfolgte die Erstbesteigung der Alten Wenzelwand durch Heinrich Wenzel, Fritz Gerbing und Robert Püschner. Am 15. Juli 1900 gelang dann der Seilschaft Hermann Sattler und Oskar Pusch am Zuckerhut ein neuer Aufstieg, heute als Sattlerweg bezeichnet.

Seit dem Jahr 2000 befinden sich all diese Gipfel im Bereich des Nationalparks Böhmische Schweiz und sind (mit Ausnahme vom Kleinen Prebischkegel) jeweils vom 1. Februar bis 30. Juni für den Klettersport gesperrt.


14. August 2022

 

Bierglas, 1989
Bierglas, 1989

 

125 Jahre Bergsteigen in Sachsen

Obwohl Sebastian Abratzky bereits am 19. März 1848 durch den heute nach ihm benannten Abratzkykamin auf die Festung Königstein geklettert ist, gilt die am 6. März 1864 erfolgte Besteigung des Falkensteins durch die Schandauer Turner Ernst Fischer, Heinrich Frenzel, August Hering, Gustav Tröger und Johannes Wähnert als die Geburtsstunde des Klettersports im Elbsandsteingebirge.

1989 gab es, organisiert vom DWBO, eine Festwoche mit einer Reihe von Veranstaltungen rund um das Jubiläum "125 Jahre Bergsteigen in Sachsen". Das war unter anderem eine Jubiläumsbesteigung des Falkensteins am 24. Juni mit anschließender Sonnenwendfeier auf der "Kleinen Liebe". Eine Fotoausstellung mit Kletter- und Landschaftsaufnahmen von Walter Hahn, dessen Geburtstag sich 1989 zum einhundertsten Mal jährte, konnte ebenfalls besichtigt werden. In den Ausstellungshallen am Fucikplatz (heute Straßburger Platz) fand am 1. Juli ein großes "Bergsteiger-Festvergnügen" statt.

Mit einem Fassungsvermögen von gerade einmal 0,25l entsprach das abgebildete Bierglas vermutlich überhaupt nicht den Bedürfnissen sächsischer Kletterer.


7. August 2022

 

Erinnerungskarte des Gebirgsvereins, 1907
Erinnerungskarte des Gebirgsvereins, 1907

 

Modern gewordener Übermut

1877 wurde der "Gebirgsverein für die sächsisch- böhmische Schweiz" gegründet, den man 1890 in "Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz" umbenannte. In dessen Vereinszeitschrift "Über Berg und T(h)al" erschien in den ersten Jahrzehnten des Bestehens auch Berichte über Klettertouren an den Felsen des Elbsandsteingebirges.

Oscar Schuster publizierte zwischen 1904 und 1908 in der Vereinszeitschrift eine Reihe Beschreibungen von Kletterrouten, welche später die Basis für den Kletterführer von Rudolf Fehrmann bildeten. Mit dem Erscheinen des ersten Kletterführers 1908 und der drei Jahre darauf erfolgten Gründung des Sächsischen Bergsteigerbundes fühlte sich der Gebirgsverein nicht mehr für die Kletterer verantwortlich, so dass der Klettersport bis zur Auflösung des Vereins 1945 keine der Arbeitsaufgaben mehr darstellte.

Der Fotopionier Hermann Krone war gar ein Gegner des Klettersports: "... ein modern gewordener Uebermuth wahnsinnigen Klettersports, dem die heilige Poesie des Felsenwaldes abhanden gekommen...", führte er 1909 als Argument seines Austritts aus dem Gebirgsverein an.


31. Juli 2022

 

Grußkarte der T. V. Schwefelbrüder, um 1925
Grußkarte der T. V. Schwefelbrüder, um 1925

 

Berg Heil unterm Erntekranz

Am 18. Juli 1909 gründete eine Gruppe ehemaliger Schüler in Dresden-Plauen die "Touristen Vereinigung Schwefelbrüder 1909". Auf Grund von Unstimmigkeiten bildete 1928 ein Teil der Klubmitglieder einen eigenen Verein, die "Schwefelbrüdergilde 1928". Viele Mitglieder der Schwefelbrüdergilde starben im Zweiten Weltkrieg, so dass der Klub nach 1945 praktisch nicht mehr existierte. Ein Teil der den Krieg überlebenden Kletterer trat daraufhin wieder dem alten Klub bei. Heute sind die Schwefelbrüder einer der wenigen alten sächsischen Kletterklubs, der noch existiert und klettersportlich aktiv ist.

Laut Informationen der Schwefelbrüder wurden Karten mit unterschiedlichen Motiven ab etwa 1920 von Walter Schmidt gefertigt, der von Beruf Steindrucker war. Schmidt war Gründungsmitglied der Schwefelbrüder und von 1909 bis 1911 deren Vereinsvorstand.

Wie bei den hier unlängst vorgestellten Felsenstürmern Niedersedlitz ist die Wehlnadel auch der Klubgipfel der Schwefelbrüder.


24. Juli 2022

 

Protestpostkarte des Sächsischen Bergsteigerbundes, 2008
Protestpostkarte des Sächsischen Bergsteigerbundes, 2008

 

"Biwak" - Abenteuer im Wohnzimmer
 
Um das Jahr 2008 änderten die Verantwortlichen des Mitteldeutschen Rundfunks das inhaltliche Konzept der Fernsehsendung "Biwak". Standen bis dahin bergsportliche Themen mit regionaler Ausrichtung im Mittelpunkt der Sendung, wurde nun "alles" rund um das Thema "Hobby" gesendet, angefangen mit der Modelleisenbahn. Das gefiel natürlich nicht jedem, so fühlte sich der Sächsische Bergsteigerbund zum Initiator einer Protestbewegung berufen.
 
"Ich bin für Natursportarten, die wirklichkeitsnah sind und einen Bezug zum Elbsandstein, Harz, Erzgebirge, Thüringer Wald, Zittauer Gebirge und sonstigen freizeitsportrelevanten Regionen in Mitteldeutschland haben." stand auf der an den Medienrat des MDR adressierten Karte.
 
Von 1991 bis 2001 war Horst Mempel Moderator und Macher des Bergsportmagazins "Biwak". Der 1938 in Coswig/Anhalt geborene Journalist ist am 13. Juli 2022 verstorben.

17. Juli 2022

 

Klubabzeichen "K K Felsenstürmer Niedersedlitz"
Klubabzeichen "K K Felsenstürmer Niedersedlitz"

 

Klettern im Zeichen der Wehlnadel
 
Die Felsenstürmer Niedersedlitz sind einer der vielen Klettervereine, die wohl nur sehr kurze Zeit Bestand hatten und von denen sich heute nur wenige Spuren finden lassen. Laut dem Personen- und Klublexikon wurde der Verein 1915 gegründet und trat 1921 dem SBB bei.
 
Dem Abzeichen nach ist wohl die Wehlnadel der Klubgipfel gewesen. Deren erste Besteigung am 9. April 1906 geht auf das Konto der Seilschaft Oliver Perry-Smith, Rudolf Fehrmann und Hans Schueller. Einen weiteren Aufstieg fand 1919 Otto Dietrich mit dem Nordwestweg. Seit der Kletterführerausgabe von 1965 bezeichnet man die Route als Dietrichweg, heute mit dem Schwierigkeitsgrad VIIb bewertet.
 
Niedersedlitz war damals ein östlich von Dresden liegender Ort mit zunehmenden Industrieansiedelungen. Erst 1951 wurde Niedersedlitz nach Dresden eingemeindet und ist jetzt ein Stadtteil der sächsischen Landeshauptstadt.

10. Juli 2022

 

Mitgliedskarte, Zweig Sächsischer Bergsteigerbund, zwischen 1938 und 1945
Mitgliedskarte, Zweig Sächsischer Bergsteigerbund, zwischen 1938 und 1945

 

Alpenvereinsausweis
 
1933, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurde eine Vielzahl an Kletter- und Bergsportvereinen verboten. Alpenverein und Sächsischer Bergsteigerbund durften weiter bestehen. Im Zuge der Gleichschaltung drängte man allerdings den Bergsteigerbund, dem Alpenverein als Sektion beizutreten. Anfangs gab es sowohl von Seiten der Dresdner Alpenvereinssektionen als auch vom Bergsteigerbund Widerstand, man befürchtete einen Mitgliederschwund auf beiden Seiten. Denn viele Kletterer gehörten sowohl dem SBB als auch einer Alpenvereinssektion an. 1838 erfolgte dann die Aufnahme in den Alpenverein als "Zweig Sächsischer Bergsteigerbund".
 
Den hier gezeigten Alpenvereinsausweis gab es in nahezu unveränderter Form ein knappes Jahrhundert lang. Bis mindestens 1910 sendete man jährlich dem Mitglied einen Ausweis zu. Später wurde die Gültigkeit der Mitgliedskarte durch das Aufkleben einer Beitragsmarke für das jeweilige Jahr verlängert. Dieses System hatte bis zum Jahr 2002 bestand. 2003 veränderte man das Design der Mitgliedskarte völlig. Seitdem bekommen die Alpenvereinsmitglieder den Ausweis wieder jährlich zugeschickt.

3. Juli 2022

 

Kletterer am Alten Weg des Schrammtorwächters, Fotokarte von Otto Fleischmann um 1925
Kletterer am Alten Weg des Schrammtorwächters, Fotokarte von Otto Fleischmann um 1925

 

Gut gebrüllt
 
"Am 10. September 1905 fuhren wir mit dem ersten Zug nach Schandau, immer in der Furcht, daß der Torwächter schon bestiegen worden sei. Als wir den Vorgipfel des Torwächters erreichten, saß bereits ein junger Bergsteiger da mit Seil, Hammer, Meißel und Abseilring und starrte zur Torwächterwand. Perry-Smith fauchte ihn an: "Nun, wenn Sie den Torwächter besteigen wollen, dann schnell, wir wollen es auch versuchen!" Erschrocken nahm der junge Bergsteiger Seil und Schlagzeug und stieg eilig ab.
 
Nun war der Weg für Perry-Smith frei. Er stieg an und kam bis unter den Überhang. Hier schlug er einen Sicherungsring, dann seilte er sich zu uns ab, um sich zu stärken. Bald begann die Überwindung der Schlußwand. Die Wand, besonders im oberen Teil war mit einer dünnen Flechte bedeckt. Da es nachts geregnet hatte, hob die nasse Flechte jede Reibung auf. Es waren aufregende Minuten, die Perry-Smith zur Überwindung des Überhanges und der Schlußwand brauchte. Doch bald ertönte sein Bergheil vom Gipfel ... "
 
Albert Kunze, Plaudereien aus der Erschließerzeit 1900–1905, Jahrbuch für Touristik 1954

 


26. Juni 2022

 

Erinnerungsfoto vom Stiftungsfest der DÖAV-Sektion Warnsdorf, 1912
Erinnerungsfoto vom Stiftungsfest der DÖAV-Sektion Warnsdorf, 1912

 

In Alpentracht aufs Bild gebracht
 
Die Sektion Warnsdorf des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins wurde 1887 gegründet. Von Anbeginn kamen die Sektionsmitglieder beiderseits der deutsch-österreichischen Landesgrenze, es gab beispielsweise Ortsgruppen in Neugersdorf und Zittau.
 
Nach dem Ende der österreichischen Monarchie und der Gründung der Tschechoslowakei 1919, durfte die Sektion nicht mehr im DÖAV sein. So bildete sich 1920 der Deutsche Alpenverein Warnsdorf. Die Besetzung des Sudetenlandes durch die Nationalsozialisten brachte erneute Veränderungen, den Vereinssitz der Sektion verlegte man 1939 nach Zittau, offizieller Name war jetzt Zweig Warnsdorf-Zittau des Deutschen Alpenvereins. Auf Anordnung der Alliierten lösten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs alle Alpenvereinssektionen auf.
 
Am 23. März 1991 gründeten Zittauer Kletterer und Bergfreunde erneut eine Alpenvereinssektion. Diese trägt nun den Namen "Sektion Zittau des Deutschen Alpenvereins".     

19. Juni 2022

 

Ansichtskarte vom SBB, 1922
Ansichtskarte vom SBB, 1922

 

Sonnwende in Wehlen
 
Sicher war es kein Zufall, dass der Sächsische Bergsteigerbund seine Sonnenwendfeier 1922 in Stadt Wehlen veranstaltete. Offenbar bestand ein gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung, denn im darauf folgendem Jahr pachtete der SBB eine Hütte von der Stadt Wehlen.
 
Speziell unter Federführung von Johannes Thumm (1872–1949) legten die Kletterer dort ein Pflanzengarten an. Allerdings sind über die Jahre immer wieder zahlreiche Beschwerden von Johannes Thumm dokumentiert, er fand für die Pflege des Pflanzengartens kaum Mitstreiter. Offensichtlich hatten die Bergsteiger keinen grünen Daumen oder schlicht keine Lust auf Gartenarbeit. So hat man die Hütte samt Pflanzengarten 1940 wieder der Stadt Wehlen übergeben.
 
Heute ist in der ehemaligen SBB-Hütte das Wehlener Heimatmuseum untergebracht, auch der Pflanzengarten wird gepflegt und erfreut die Besucher. 

12. Juni 2022

 

Daxenstein-Löschnerwand, Postkarte vom Verlag Krille & Martin, Dresden, um 1910
Daxenstein-Löschnerwand, Postkarte vom Verlag Krille & Martin, Dresden, um 1910

 

Sicherheit am Fels?
 
Nicht nur der Daxenstein steht bei den Kletterern hoch im Kurs. Auch die beiden Löschnerwände am Daxenstein im Bielatal und am Spitzen Turm in der Felsengruppe am Schrammtor – jeweils mit dem sächsischen Schwierigkeitsgrad IV bewertet – zählen mit zu den beliebtesten Kletterrouten der Sächsischen Schweiz.
 
Der Erstbegeher Paul Löschner, geboren 1889 in Radeberg, verunglückte am 3. Januar 1909 im vereisten Gühnekamin am Vorderen Gansfels tödlich. Löschner war Mitglied im Klub Daxensteiner 05.
 
Ob die hier gezeigte Sicherungstechnik dem Kenntnisstand der damaligen Zeit entsprach, oder es sich um eine für den Fotografen gestellte Szene handelt, kann heute wohl nicht mehr endgültig geklärt werden. Auf alle Fälle ist das hier abgebildete Agieren der Seilschaft nicht zur Nachahmung empfohlen.

5. Juni 2022

 

Seilschaft auf dem Daxenstein, privates Foto um 1975
Seilschaft auf dem Daxenstein, privates Foto um 1975

 

Beliebtester Gipfel

 

Der Daxenstein ist wohl der mit Abstand meist besuchte Klettergipfel der Sächsischen Schweiz. Das lässt sich anhand der archivierten Gipfelbücher belegen. 57 sind es – von keinem Gipfel gibt es mehr Bücher im Archiv des Sächsischen Bergsteigerbundes.

 

In der Österreichischen Touristen-Zeitung vom 16. Februar 1904 berichtet Hugo Kurze im Artikel "Eine Dolomitenwelt im Kleinen – Kletterfelsen im Elbsandsteingebirge" unter anderem über den Daxenstein: Auf dem Gipfel steht eine alte Holzstange.

 

Die erste Wetterfahne auf dem Daxenstein wurde dann 1907 von Willy Baudisch, Hans Baumgart, Karl Finke, Walter Hünig, Paul Löschner und Arno Nietzold vom Klub Daxensteiner 05 angebracht. Gestiftet hat die Fahne Karl Finke, der 1908 im Wilden Kaiser tödlich verunglückte.
Laut Auskunft des Kletterklubs Daxensteiner befindet sich die heutige um die Jahreszahl 1905 – das Gründungsjahr des Klubs – ergänzte Wetterfahne seit 2004 auf dem Gipfel.

29. Mai 2022

 

Postkarte vom Treffen junger Bergsteiger, 1981
Postkarte vom Treffen junger Bergsteiger, 1981

 

Klettertreffen

Das erste Treffen junger Bergsteiger fand im Oktober 1969 in Weißig statt. Ab dem Jahr 1973 bezogen die Teilnehmer fast immer auf der Burg Hohnstein Quartier, wobei seit 1975 die Austragung des Treffens vom Herbst auf das Frühjahr verlegt wurde.

Nachdem in den letzten beiden Jahren das Treffen Junger Bergsteiger auf Grund der Corona-Pandemie jeweils abgesagt werden musste, konnte vom 26. bis zum 29. Mai 2022 das nunmehr 50. Klettertreffen stattfinden.

Eine recht wechselhafte Geschichte hat die Burg Hohnstein, besonders in den letzten 100 Jahren: Jugendgefängnis, Jugendherberge, Konzentrationslager, Reichsjugendherberge, Kriegsgefangenenlager und seit 1949 abermals Jugendherberge. 1951 wurde der Burg der Name "Ernst Thälmann" verliehen. Thälmann (geboren 1886) war Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1944 wurde er im Konzentrationslager Buchenwald erschossen.


22. Mai 2022

 

Einladungskarte der "Fidelen Kraxler", 1922
Einladungskarte der "Fidelen Kraxler", 1922

 

Party auf dem Papststein

Der Touristen-Club Fidele Kraxler (TCFK) wurde 1911 in Dresden gegründet. Gründungsmitglied war unter anderem Max Schubert. Max Schubert verfasste den Text auf der Rückseite dieser Karte. Er läd eine Bergfreundin zum am 20. Mai 1922 auf dem Papststein stattfindenden Stiftungsfest ein.

Laut dem Personen- und Klublexikon traten die Fidelen Kraxler im Februar 1912 dem SBB bei. Klubgipfel war die Tante. Es gab noch einen zweiten Kletterklub mit ähnlichem Namen. Der 1916 gegründete Klub nannte sich entsprechend TK Fidele Kraxler 1916. Beide Klubs existierten vermutlich nur wenige Jahre. Bis auf Gipfelbucheinträge finden sich nur geringe Spuren der beiden Klettervereinigungen in der Bergsporthistorie.

Die erste Gaststätte auf dem Papststein wurde 1862 errichtet. Bereits drei Jahre zuvor baute man dort einen hölzerner Pavillon.


15. Mai 2022

 

Abzeichen der Samariterabteilung des SBB
Abzeichen der Samariterabteilung des SBB

 

Bergsteigersamariter

Der Ursprung der heutigen Bergwacht findet sich im Jahr 1912. Im Frühjahr des Jahres gründet sich innerhalb des SBB eine Samariterabteilung.

 

Bereits wenige Tage später begann der erste Ausbildungskurs, der mit einer Geländeübung am Pfaffenstein abgeschlossen wurde. Davor gab es im Gebirge verteilt nur Unfallhilfsstellen. Diese waren nichts anderes, als – oft Gaststätten untergebrachte – Materialdepots, in denen neben einer Trage zum Abtransport Verletzter auch Verbandszeug aufbewahrt wurde. Verunfallte wurden von Sanitätern und anderen freiwilligen Helfern ohne klettersportliche Erfahrung oder Ausbildung versorgt und transportiert.

Am 27. Mai 1900 ereignete sich der erste tödliche Kletterunfall in der Sächsischen Schweiz. Beim Versuch den Wilden Kopf als Erster zu besteigen verunglückte der 42-jährige in Dresden lebende Frauenarzt Doktor Friedrich Brosin. Heute erinnert der Name der knapp ein Jahr zuvor von ihm erstbestiegenen Brosinnadel an seine Person.


8. Mai 2022

 

Kleiner Wehlturm, FKV-Kante, Foto: Rudolf Kobach
Kleiner Wehlturm, FKV-Kante, Foto: Rudolf Kobach

 

Bekannte Kante

Rudolf Kobach fotografierte hier vom Großen Wehlturm aus einen Kletterer an der FKV-Kante des Kleinen Wehlturms. Entstanden ist das Foto am 29. September 1935. Veröffentlicht wurde es bereits 1936 in der Festschrift "Bergsteigen in Sachsen", welche zum 25-jährigen Bestehen des Sächsischen Bergsteigerbundes erschienen ist. Leider hat Kobach in seinen Aufzeichnungen zwar das Aufnahmedatum vermerkt, aber den Namen des Kletterers nicht notiert. Auch anhand des im Gipfelbucharchiv des SBBs vorhandenen Buches lässt sich der Name nicht ermitteln, da die FKV-Kante an diesem Tag mehrere Begehungen bekam.

Die FKV-Kante hat Ehrhardt Renger am 4. Juni 1916 erstbegangen. Der 1898 geborene Renger verunglückte 1921 in der Weinertwand am Vexierturm tödlich.

Ehrhardt Rengers Klub, die Freie Klettervereinigung, gründeten Mitglieder des Dresdner Turnvereins 1867 im Jahr 1906. Auch wenn der Klub heute klettersportlich kaum noch in Erscheinung tritt, scheint er noch zu existieren. Denn 2006 wurde dem Klub, anlässlich seines 100-jährigen Bestehens, die Goldene Ehrennadel des Sächsischen Bergsteigerbundes verliehen.


1. Mai 2022

 

Der Bergsteigerchor auf dem Theaterplatz am 1. Mai 1946
Der Bergsteigerchor auf dem Theaterplatz am 1. Mai 1946

 

Wie das Lied zur Waffe wird ...

... lautet eine Überschrift im 1987 erschienenem Buch "Bergfreundschaft – Aus der Chronik des Bergsteigerchores Kurt Schlosser". 1927 gründete sich der Chor als Gesangsabteilung des Touristenvereins "Die Naturfreunde – Vereinigte Kletterabteilungen Sachsen". Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden sowohl der Chor als auch die "Naturfreunde" verboten.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs organisierten sich die Dresdner Bergsteiger neu. Bereits im Sommer 1945 hatte der Bergsteigerchor seinen ersten Auftritt in der Nachkriegszeit.

1949 benannte man den Bergsteigerchor nach Kurt Schlosser. Der 1900 geborene Kurt Schlosser war im antifaschistischen Widerstandskampf aktiv und wurde 1943 verhaftet. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, richtete man ihn am 16. August 1944 in Dresden hin.


24. April 2022

 

Exlibis (Bucheignerzeichen) von Dietrich Hasse
Exlibis (Bucheignerzeichen) von Dietrich Hasse

 

Höllenhund und Große Zinne

Dietrich Hasse wurde 1933 in Dresden geboren und wuchs in der Sächsischen Schweiz auf. Seine heute beliebteste Erstbegehung im Elbsandstein ist ohne Frage der Talweg am Höllenhund - vollendet am 21. September 1955. Zu diesem Zeitpunkt lebte und studierte Hasse schon in Westberlin. Später zog er nach Süddeutschland.

Internationalen Ruhm erlangte Hasse 1958, als ihm gemeinsam mit Lothar Brandler, Jörg Lehne und Siegfried Löw die Erstbegehung der Direttisima durch die Nordwand der Großen Zinne gelang. Diese Route wurde seinerzeit als die schwerste Kletterei im Alpenraum gewertet.

Die bekannteste Publikation von Dietrich Hasse ist wohl das 1979 verlegte und gemeinsam mit Heinz Lothar Stutte erarbeitete Buch "Felsenheimat Elbsandsteingebirge". 2013 erschien beim Bergverlag Rother Hasses Autobiografie "Ein Leben im Lot".

Am 19. April 2022 ist Dietrich Hasse im Alter von 89 Jahren verstorben.


17. April 2022

 

Ansichtskarte von 1948
Ansichtskarte von 1948

 

Anklettern

In früheren Jahren waren das Ab- und Anklettern wichtige Termine im kulturellen Leben der Kletterklubs. Da es ja in den vergangenen Jahrzehnten reichlich milde Winter gab, in denen man draußen am Fels klettern konnte, beziehungsweise heutzutage der Klettersport in der Halle ganzjährig ausgeübt werden kann, ist diese Tradition wohl etwas in Vergessenheit geraten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs löste der Alliierte Kontrollrat den Alpenverein per Gesetz auf und beschlagnahmte dessen Eigentum. In Westdeutschland durfte sich 1952 der Deutsche Alpenverein neu gründen. In der DDR hingegen blieb der Alpenverein dauerhaft verboten.

Zum Beginn des Jahres 1948 wurde in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Leitung und Organisation des Sports der FDJ (Freie Deutsche Jugend) übertragen. Diese gründete man bereits am 7. März 1946 nach erfolgter Zustimmung durch die Sowjetische Militäradministration.


10. April 2022

 

Schokoladen-Sammelbilder der Barbarine, um 1925
Schokoladen-Sammelbilder der Barbarine, um 1925

 

Die Welt in Bildern

Ob Zigaretten, Margarine oder Schokolade, Sammelbilder hatten im 20. Jahrhundert Konjunktur. Die Flaggen Europas, die besten Springreiter, bekannte Schauspieler und Schauspielerinnen, exotische Tiere – es gab nichts, was es nicht gab - dementsprechend auch eine Serie mit Kletterbildern vom Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz.

Für die Zeichnungen verwendete man als Vorlagen Aufnahmen des Dresdner Fotografen Walter Hahn. Er war mit seiner Plattenkamera häufiger an der Barbarine zugange. Bereits deren zweite Besteigung am 8. April 1906 dokumentierte Hahn. Die gelang den Erstbesteigern Fehrmann und Perry-Smith, diesmal unter Führung von Oliver Perry-Smith. Ergänzt wurde die Seilschaft durch Arthur Hoyer.

 

Perry-Smith führte auch die 3. Besteigung auf die Pfaffendorfer Jungfrau, bei der 5. Besteigung war er der Nachsteiger von Walter Hünig. Ein weiterer Gipfelbucheintrag der beiden Erstbesteiger findet sich am 25. Juli 1909, da holten sich Rudolf Fehrmann und Oliver Perry-Smith die 64. Besteigung.


3. April 2022

 

Mitglieds-Karte, T.C. Felsensport 1910
Mitglieds-Karte, T.C. Felsensport 1910

 

Ja zum SBB, nein zum SBB

Der Klub T.C. Felsensport wurde 1910 in Dresden gegründet und trat 1912 dem SBB bei. Die am 7. April 1912 durch Kurt Schneider erfolgte Erstbesteigung der im Bielatal gelegenen Felsensportnadel, sowie die am 18. April 1920 geglückte Erstbesteigung des Rathener Felsensportturms durch Rudolf Buchwald gehen auf das Konto dieser Klettervereinigung. Entsprechend tragen die Gipfel den Namen des Klubs.

Auf der Rückseite der Mitgliedskarte wurden die Klubbeitragszahlungen quittiert. Albert Kade musste als Arbeitsloser für das Jahr 1930 monatlich 25 Reichspfennige zahlen.

1931 kam es wohl zu einem Zerwürfnis mit dem Sächsischen Bergsteigerbund, denn dessen Buchstabenkürzel wurden auf der Mitgliedskarte von 1932 geschwärzt.


27. März 2022

 

Ansichtskarte vom Hauptdrilling, Verlag Alfred Porzig, Dresden
Ansichtskarte vom Hauptdrilling, Verlag Alfred Porzig, Dresden

 

Aus Sachsens Dolomiten

Diese Ansichtskarte trägt den Poststempel vom 14. August 1912. Die Aufnahme ist also vor der heute offiziell anerkannten Erstbesteigung des Gipfels entstanden. Am 11. Oktober 1908 gelang einer Seilschaft unter Führung von Oliver Perry-Smith (1884–1969) die erste Ersteigung vom Hauptdrilling, welche heute allerdings als "mit künstlichen Hilfsmitteln erfolgt", gewertet wird.

 

Offensichtlich war damals noch nicht genau definiert, was man unter einem künstlichen Hilfsmittel zu verstehen hat, denn den Kletterern fehlte seinerzeit wohl jedes Problembewusstsein. Hätten sie dieses gehabt, wäre sicher kein Fotograf zu ihrer Besteigung eingeladen worden, der diese Tat für die Nachwelt festhält und auf einer Ansichtskarte verewigen lässt. Vor allem, wenn der veröffentlichende Verlag dem damaligen 1. Vorsitzenden des SBB gehörte.

Der in Dresden ansässige Verlag Alfred Porzig publizierte unter dem Titel "Aus Sachsens Dolomiten" eine ganze Serie von Ansichtskarten mit Klettermotiven. Alfred Porzig (1874–1917) war Buchdruckermeister, Inhaber einer Papierhandlung und zudem selbst Kletterer. Von 1911 bis 1914 übte er das Amt des 1. Vorsitzenden des Sächsischen Bergsteigerbundes aus.


20. März 2022

 

KV Märchentürmer, Schmuckteller, Meissner Porzellan
KV Märchentürmer, Schmuckteller, Meissner Porzellan

 

Das Bollwerk von Schmilka

1946 fand sich eine Gruppe sächsischer Bergsteiger zum Kletter-Verein Märchentürmer zusammen. Laut dem Personen- und Klublexikon waren folgende Kletterer Gründungsmitglieder: Karlheinz Fischer, Karlheinz Gonda, Erich Gorlt, Bernhard Graf, Gerhard Junghans, Lothar Knoof, Manfred Schmidt, Günter Straube, Edmund Voigt und Gerhard Walpert.

Beim Märchenturm handelt es sich um einen der am schwersten zu ersteigenden Gipfel im Schmilkaer Kessel. Der Gipfel wurde erst 1937 von Helmut Oehme (1913–1986) entsprechend den sächsischen Kletterregeln erstbestiegen. Allerdings gab es bereits in den 1920-er Jahren Besteigungen des Märchenturms, da allerdings unter der Verwendung künstlicher Hilfsmittel. Um den Gipfel heute in freier Kletterei, also ohne Unterstützung (oder Sprung) zu erreichen, muss man mindestens VIIIc klettern.

In der Gegenwart verbinden wir die Märchentürmer zuerst mit Karlheinz Gonda, da zwei seiner Erstbegehungen den Namen des Klubs tragen und zwar die "Märchentürmerwege" am Kanstein-Vorgipfel und am Großen Grenzturm.


13. März 2022

 

Nachtrag zum Kletterführer von 1950
Nachtrag zum Kletterführer von 1950

 

Büchsenfibel

Zum Ende der 1930-er Jahre hatte Rudolf Fehrmann eine weitere Ergänzung zu seinem 1923 erschienenen Kletterführer in Arbeit. Allerdings verhinderte der Beginn des Zweiten Weltkriegs die Fertigstellung dieses Buches.

1950 wurde dann vom Landessportausschuß Sachsen, Sparte Touristik ein 88 Seiten umfassender Nachtrag zum Kletterführer herausgegeben. Neben Punkten wie "Unterstützung und Stärkung der Freien Deutschen Jugend" enthielt der Kletterführer auch einen Abschnitt "Grundsätze über das Bergsteigen in Sachsen". Da der überwiegende Teil der beschriebenen Routen den sächsischen VII. Schwierigkeitsgrad betraf, nannten die Kletterer den schmalen Band umgangssprachlich "Büchsenfibel".

Die touristische Steiganlage am Winterstein war in der zweiten Hälfte der 1940-er Jahre baufällig. Sie wurde von Kletterern des "Touristenklubs Wanderlust 1896" abgerissen. So entsprach der Winterstein der Definition eines sächsischen Klettergipfels. In der Folge führte dort unter anderem der Kletterklub Märchentürmer, speziell im Jahr 1948, die eine oder andere Erstbegehung durch. Da man aber die Steiganlage bald neu errichtete, war der 1950-er Nachtrag der einzige Kletterführer, der den Winterstein als Klettergipfel beschrieb.


6. März 2022

 

Abzeichen des Sächsischen Bergsteigerbundes
Abzeichen des Sächsischen Bergsteigerbundes

 

Jedem Verein ein Abzeichen

Als sich am 1. März 1911 der Sächsische Bergsteigerbund gründete, brauchte man natürlich schnell ein Logo für ein entsprechendes Vereinsabzeichen, denn Abzeichen hatten für den SBB seit jeher einen hohen Stellenwert. Heute gibt es dort dafür eine eigene Arbeitsgruppe Abzeichensammlung. Diese schreibt:

"Bei der Gründung des SBB im Jahr 1911 durch 18 Dresdner Klettervereinigungen (Klubs), hinterlegten die Klubs, welche ein Abzeichen besaßen, ihr Klubabzeichen dem neu gegründeten Bund, um damit ihre Treue und aufrichtige Mitarbeit zu beweisen."

In den ersten beiden Jahrzehnten war im Logo ein Tafelberg abgebildet, vermutlich der Lilienstein. Darunter standen die Buchstaben "SBB". In der Mitgliederzeitschrift "Der Bergsteiger" konnte man beim darin abgedruckten Vereinslogo zum Beginn des Jahres 1928 eine Veränderung erkennen. Der Tafelberg wurde durch einen Felsen ersetzt, für dessen Konturen wohl die Nordseite vom Bloßstock Pate stand. Dieses Logo übernahm man bei der Wiedergründung des Vereins 1989.

Zu seinem 100. Jubiläum entwickelte der SBB ein neues Signet, in diesem soll der klassische sächsische Kaminkletterstil, der Falkenstein und die Barbarine enthalten sein.


28. Februar 2022

 

Bernd Arnold, Talwächter-Uferweg, Foto: Helmut Schulze, 2016
Bernd Arnold, Talwächter-Uferweg, Foto: Helmut Schulze, 2016

 

Glückwünsche zum 75.

Am 28. Februar 1947 wurde Bernd Arnold in Hohnstein geboren. Die Felsen des Brandgebietes hatte er als Spielplatz praktisch vor der Haustür. So stand er 1959, als Zwölfjähriger, auf seinem ersten Klettergipfel, dem Panoramafels. Diesem folgten über die Jahrzehnte unzählige weiter Gipfel und über 900 Erstbegehungen im Elbsandsteingebirge.

Neben den Erfolgen im heimischen Sandstein war Bernd Arnold auf zahlreichen Reisen und Expeditionen rund um den Erdball unterwegs. Als eine der herausragendsten Erstbegehungen sei hier die Route "Royal Flush" am Fitz Roy in Patagonien genannt, welche ihm 1995 gemeinsam mit Kurt Albert, Jörg Gerschel und Lutz Richter glückte.

1981 wähle man Bernd Arnold im Bezirk Dresden zum Sportler des Jahres und 2008 wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Hohnstein ernannt.

Wer mehr über Arnolds Treiben an den Sandsteintürmen erfahren möchte, dem ist das 2020 im Panico Alpinverlag erschienene Buch von Peter Brunnert "Barfuß im Sand" empfohlen.


20. Februar 2022

 

Urkunde Leistungsklasse Felsklettern von 1986
Urkunde Leistungsklasse Felsklettern von 1986

 

Klettern nach Punkten

Der Gedanke, eine Klassifizierung für das Felsklettern einzuführen, kam den DDR Sportfunktionären bereits Anfang der 1950-er Jahre. Die Bedingungen für die vier verschiedenen Leistungsklassen wurden über die Jahrzehnte immer wieder modifiziert. Bestand hatte dieses Wertungssystem bis zum politischen Ende der DDR im Jahr 1989.

In den 1980-er Jahren musste man im Laufe eines Kalenderjahres 20 Routen im Vorstieg klettern. Laut der 1982 angepassten Norm benötigte ein Kletterer der Altersklasse 19 insgesamt 560 Punkte um die Norm für die Leistungsklasse II zu erfüllen. Dafür musste der Sportler Aufstiege im mittleren siebenten sächsischen Schwierigkeitsbereich bewältigen, denn für eine VIIa gab es 24 Punkte, für die VIIb 29 Punkte und eine VIIc schlug mit 35 Punkten zu Buche. Für jeden Ring, an welchem der Kletterer Rotpunkt vorbei stieg, bekam er einen Bonus von 5 Prozent der jeweiligen Punkte.

Neben der Kletterei mussten die Aspiranten auch eine Felsbetreuungsmaßnahme für die KTA (Klettertechnische Abteilung) erledigen, also einen alten Sicherungsring oder ähnliches erneuern. Der damalige Auftrag zur abgebildeten Urkunde lautete, die Gipfelbuchstütze auf dem Rotkehlchenturm zu wechseln.


13. Februar 2022

 

Postkarte des Verlages Krille & Martin, Dresden
Postkarte des Verlages Krille & Martin, Dresden

 

Kletterer am Juniturm, Schrammsteine

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden hunderte verschiedene Ansichtskartenmotive mit Kletterern an den Felsen der Sächsischen Schweiz von den unterschiedlichsten Verlagen hergestellt und verkauft. Neben bekannten Aufnahmen von der Barbarine oder der Lokomotive veröffentlichte man auch Bildern von Gipfeln, die heute fast vergessen sind. Wie der Juniturm im Schrammtor, ein kleiner Pfeiler, der am Fuß des Südlichen Osterturms steht.

Ein weiterer im Großen Schrammtor stehender Gipfel ist die Gottfried-Bauch-Spitze. Diese erlangte durch ihre Erwähnung im von Rudolf Fehrmann verfassten Vorwort des Kletterführers von 1923 eine gewisse Berühmtheit:

 

"Bedenke, daß unsere Berge mehr sind als eine Turnhalle; darum lasse Deine Seele nicht verdorren über einseitiger Freude an Muskelbetätigung, lerne darum den Falkenstein höher schätzen als die Gottfried-Bauch-Spitze!"


6. Februar 2022

 

Feldpostbrief des T. K. Berglust 06, Januar 1943
Feldpostbrief des T. K. Berglust 06, Januar 1943

 

Briefe aus der Felsenheimat

Während des Zweiten Weltkriegs verschickten viele Kletterklubs Feldpostbriefe an ihre zur Wehrmacht eingezogenen Bergkameraden. Der fleißigste Verfasser dürfte Fritz Petzold gewesen sein. Er schaffte es, als Obmann der Berglust 06 – über das Kriegsende hinaus – monatlich einen Feldpostbrief zu verfassen und zu versenden.

In der 41. Ausgabe des Feldpostbriefes vom Januar 1943 wird von der Jahreshauptversammlung des SBB berichtet:

 

...Wächtler sprach weiter über das nach dem Kriege geplante Ehrenbuch in Form eines zweiten Bandes "Bergsteigen in Sachsen" Es wurde für dieses ein Sonderfonds eingerichtet und Wächtler hofft daß recht viele freiwillige Spenden dafür eingehen. Das Buch soll kostenlos für alle S.B.B. Mitglieder sein. Gewidmet den gefallenen Bergkameraden. Es soll von sämtlichen im Kriege gefallenen Bergkameraden ein Bild mit kurzer Beschreibung, wertvolle Schilderungen von Kampfhandlungen und Arbeiten des S.B.B. in der Heimat bringen.


30. Januar 2022

 

Bergsteiger-Karabinerhaken, Made in GDR
Bergsteiger-Karabinerhaken, Made in GDR

 

Die Situation in den 1980-er Jahren

Karabiner gab es in der DDR zum Festpreis von 8,85 Mark zu kaufen, für den mit Schraube mussten 9,70 Mark bezahlt werden. Hergestellt wurden die aus einer Alu-Knetlegierung bestehenden Leichtmetallkarabiner der Marke "Ruppberg" in Thüringen, im Volkseigenen Betrieb (VEB) Karabinerhakenfabrik Zella-Mehlis.

Wie so viele andere Produkte auch, konnte man diese Karabiner in der DDR nicht jederzeit bekommen. Sondern der Erwerb kam einem kleinen Lottogewinn gleich.

In ganz (Ost)Berlin fand sich genau ein Sportgeschäft – am Frankfurter Tor – in dem Kletterer ab und an Karabiner kaufen konnten. Hier wurden pro Kunde 5 Karabiner abgegeben. Im ganzen Rest der DDR gab es nur einen weiteren Laden, der ab und an diese Kletterausrüstungsteile im Warenangebot hatte. In der Dresdner Spowa, einem Flachbau am Fucikplatz, teilte man jeder Person allerdings nur 3 Karabiner zu.


23. Januar 2022

 

Kletterer an der Perrykante am Hauptwiesenstein, Foto: Rudolf Weinhold um 1920
Kletterer an der Perrykante am Hauptwiesenstein, Foto: Rudolf Weinhold um 1920

 

Ringtausch an der Perrykante

Zur Erstbegehung der Perrykante, die in frühen Kletterführerausgaben als Südkante geführt wurde, schlug Oliver Perry-Smith einen Sicherungsring. Der steckte allerdings an einer völlig anderen Position als ihn die Kletterer heute vorfinden.

Im Kletterführer von 1965 trägt die Perrykante noch den Vermerk "ungenügend ges." (ungenügend gesichert) und hat folgende Aufstiegsbeschreibung: Schlucht zw. "Wiesenturm" u. unserem Turm außenhaltend hochspreizen zu kl. Standplatz. Schräg rechtsansteigend u. Mulde an Ring vorbei zu gr. Abs. an der SW-Kante (nachträglich geschlagener Ring). Unterst. über gr. Überhang z. G.

Später wurde der Ring an einen ganz anderen Standort versetzt und zwar an den "kl. Standplatz" vor dem rechtsansteigenden Quergang. Damit veränderte man den Charakter der Route, denn so war eine der Schlüsselstellen der Route gut abgesichert. Obwohl in aktuellen Kletterführern normalerweise nachträgliche Sicherungsringe gekennzeichnet sind, findet sich an der Perrykante kein Hinweis darauf.


16. Januar 2022

 

Rückseite eines Fotos vom Hauptwiesenstein, 1926
Rückseite eines Fotos vom Hauptwiesenstein, 1926

 

Dunkelgelbe Felsampel

6.VI.26
Hauptwiesenstein 258. Best.
89. Begehung d. Südkante (Perry-Weg)

Hans Müller
Hans Rößler
Paul Kuntze

Bei strömenden Regen (Tag d. Wolkenbrüche) am Sonnabend bis zur Ottomühle. Unsere Sachen kamen zum trocknen auf den Backofen. Der Sonntag bot ein gutes Wetter, deshalb wurde auf Vorschlag von Müller H. der Hauptwiesenstein aufgesucht und bestiegen. Zufriedengestellt für diesen Tag konnten wir sein, da uns der Weg besonders genußreich & interessant war. Am Nachmittag unternahmen wir noch einige Besteigungen im Glasergrund und im vorderen Bielatal.


9. Januar 2022

 

Ansichtskarte vom Hohlen Turm bei Schmilka
Ansichtskarte vom Hohlen Turm bei Schmilka

 

Ist die Quacke noch so klein ...

Diese Ansichtskarte der Graphischen Kunstanstalt Trau & Schwab, Dresden ist postalisch gelaufen und trägt den Stempel vom 19.7.1918.

Im Kletterführer von 1923 wird der Hohle Turm zwar nicht beschrieben, findet aber unter der Rubrik "Hierüber" Erwähnung. Auch in den folgenden Ausgaben bis einschließlich 1961 wird der Gipfel genannt, nun allerdings als Hohler Stein.

Der Standort ist gemeinsam mit dem benachbarten Gipfel "Bruder Straubinger" im Kletterführer von 1961 folgendermaßen beschrieben: Beide linker Hand dicht neben dem "Bergsteig" (Schmilka – Gr. Winterberg) in etwa zwei Drittel Weghöhe, unmittelbar oberhalb der langen Stufenreihe durch die steile Felsgasse.


2. Januar 2022

 

Klubabzeichen vom K.V. Schwedentürmer
Klubabzeichen vom K.V. Schwedentürmer

 

Versteckter Koloss

Über den Kletterklub Schwedentürmer ist wenig bekannt. Im vom Sächsischen Bergsteigerbund herausgegebenen Personen- und Klublexikon wird lediglich das Gründungsjahr 1953 genannt und Roland Wankerl (1936–2012) als Gründungsmitglied aufgeführt. Er ging aber bereits 1956 in den Westen. Vermutlich hatte der Klub kein allzu langes Leben.

Auch der Schwedenturm selbst, obwohl von doch beachtlicher Höhe, ist nicht gerade ein sächsischer Modegipfel. Das mag an seinem etwas düster-feuchtem Standort in den Schwedenlöchern liegen. Zudem lässt sich der von den Brüdern Rudolf und Arymund Fehrmann am 30. April 1905 erstgegangene Alte Weg schlecht absichern. Entsprechend selten wird der Turm von Kletterern aufgesucht. So lag noch bis Mitte der 1990-er Jahre ein Gipfelbuch aus dem Jahr 1934 auf dem Schwedenturm.