Augenblicke der Kletterhistorie im Elbsandstein


14. Juni 2026

Hans Pohle am Goldstein, Foto: Rudolf Kobach, 1934
Hans Pohle am Goldstein, Foto: Rudolf Kobach, 1934

 

Gehört Politik in die Berge?


Im Februarheft 1933 der Zeitschrift "Der Bergsteiger" des Sächsischen Bergsteigerbundes findet sich zur Jahreshauptversammlung am 17. Januar 1933 folgender Vermerk:


Der Antrag Herbert Schönfuß: "Der Bund wolle beschließen, daß solche Mitglieder, gleich welcher Richtung, auszuschließen sind, die neben dem Bundesabzeichen noch ein politisches Abzeichen tragen" wird nach einfügen von: "nach 1maliger Verwarnung" mit 166 gegen 20 Stimmen angenommen.


Im Juniheft 1933 des Bergsteigerbundes steht dann fett auf der ersten Seite:


Achtung! Der Beschluß der Hauptversammlung, das Tragen politischer Abzeichen betreffend, ist mit Wirkung vom 9. Mai 1933 (Vorstands-Sitzung) aufgehoben.

Der Gesamtvorstand


Hans Pohle wurde hier am 7. Oktober 1934 am Goldstein fotografiert. Er trägt neben dem Abzeichen seines Kletterklubs "Gamsspitzler 07", das Alpenvereinsabzeichen, sowie sein NSDAP-Parteiabzeichen.


7. Juni 2026

Kletterer auf dem Hauptwiesenstein, privates Foto von 1926
Kletterer auf dem Hauptwiesenstein, privates Foto von 1926


Hauptwiesenstein


Die Rückseite dieses Fotos wurde hier schon im Beitrag vom 16. Januar 2022 vorgestellt. Auf dem Gipfel stehen Hans Müller, Hans Rößler und Paul Kuntze. Die drei Kletterer haben gerade die Perrykante durchstiegen und deren 89. Begehung im Gipfelbuch eingetragen. Gleichzeitig war dies die 258. Besteigung vom Hauptwiesenstein. Aufgenommen wurde diese einhundert Jahre alte Fotografie am 6. Juni 1926.


Heute zählt der Hauptwiesenstein neben dem Turm der Felsenbrüder und dem Arnsteiner Turm zu den drei "Siebentausendern" im Bielatal. Also man muss als Mindestanforderung eine sächsische VII klettern, um den Gipfel zu erreichen.


31. Mai 2026

Eintrittskarte zum Stiftungsfest der SBKV von 1937
Eintrittskarte zum Stiftungsfest der SBKV von 1937

 

Wilhelm Tell

 

Am 23. Oktober 1937 feierte die Sächsisch-Böhmische Kletter-Vereinigung ihr Stiftungsfest in "Donaths Neue Welt" in Dresden-Tolkewitz. Auf der Rückseite der Eintrittskarte finden sich folgende Informationen:

 

VORTRAGSFOLGE

1. Im Walde . . . . . H. Schäffer

2. Serenade . . . . . Viktor Kahl

3. Lustiger Liedermarsch W. Böhme

4. WILHELM TELL

Komische Oper in 1 Akt von Richard Thiele

 

GROSSE SPORT-TOMBOLA


Laut der Informationen im SBB-Klublexikon wurde die Sächsisch-Böhmische Kletter-Vereinigung am 27. Mai 1923 gegründet und existierte bis etwa 1959.


24. Mai 2026

Drahtschnapperkarabiner von Black Diamond, 1990-er Jahre
Drahtschnapperkarabiner von Black Diamond, 1990-er Jahre

 

Heißer Draht

 

Um die Mitte der 1990-er Jahre brachte Black Diamond als erster Hersteller einen Karabiner mit Drahtschnapper auf den Markt. Hier auf dem Foto ist einer dieser Karabiner zu sehen, das Modell wurde seinerzeit als "Hot Wire" bezeichnet. Gegenüber dem herkömmlichen Schnapper hatte der neue Verschlussmechanismus einige Vorteile: Er ist beim Alpinklettern weniger störanfällig bei Vereisung, zudem ist das Gewicht des Karabiners geringer. Durch den Drahtschnapper reduziert sich darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit, dass der sogenannte "Whip-Lash-Effekt" (Peitscheneffekt) auftritt, der im Moment der Sturzbelastung zur Öffnung des Karabiners führen kann.

 

Allerdings brauchte es eine Weile, bis sich diese Karabiner in der Kletterszene durchsetzten, denn "das Auge klettert bekanntlich mit" und somit hatte ein wesentlicher Teil der Kletterer anfänglich kein Vertrauen zu den dünnen Drahtschnappern.


17. Mai 2026

Böhmeturm, 1. Begehung Südwestweg, Foto: Walter Wetzel, 1928
Böhmeturm, 1. Begehung Südwestweg, Foto: Walter Wetzel, 1928

 

Böhmeturm

 

Am 23. September 1928 gelang der Seilschaft Walter Wetzel, Erich Leutemann, Alfred Thiele, Hans Rößler, Helmuth Schüller und Rudolf Händel am Böhmeturm die Erstbegehung des Südwestweges, der mit dem Schwierigkeitsgrad VI bewertet ist.

 

Da Walter Wetzel der Vorsteiger der Seilschaft war, kann er dieses Foto nicht selbst belichtet haben, sondern hat wohl seinen Fotoapparat einem Bergkameraden in die Hand gedrückt. Davon zeugt auch der etwas unbedarfte Motivaufbau des Fotos, auf dem im oberen Drittel nur Himmel ohne Durchzeichnung zu sehen ist. Trotzdem ist es ein interessantes Zeitzeugnis einer selten gekletterten Route.


10. Mai 2026

Buch "Bergsteigen in Sachsen" von 1936
Buch "Bergsteigen in Sachsen" von 1936

 

Bergsteigen in Sachsen

 

Aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens gab der Sächsische Bergsteigerbund 1936 das Buch "Bergsteigen in Sachsen" heraus. Verantwortliche Redakteure waren Albert Goldammer und Martin Wächtler. Im Buch wird die sächsische Klettergeschichte bis ins Jahr 1935 aufgearbeitet. Daneben findet sich im Buch eine Auflistung der Kletterklubs des SBB und der eine oder andere literarische Beitrag.


Links im Bild ist das Exemplar von Paul Illmer zu sehen. Illmer, in der DDR als linientreuer Repräsentant der Arbeitersportbewegung bekannt und verehrt, hatte den Schriftzug "Bergsteigen in Sachsen" vom Buchrücken gekratzt. So konnte er das Buch für Besucher unverdächtig in seinem Bücherschrank platzieren. Denn der Besitz von Büchern aus der Zeit des Nationalsozialismus war in der DDR mehr als anrüchig.


3. Mai 2026

1. Mai-Demonstration in Bad Schandau, Foto: Rudolf Kobach
1. Mai-Demonstration in Bad Schandau, Foto: Rudolf Kobach

 

Für Einheit und Frieden

 

Leider ist von Rudolf Kobach nur die Beschriftung seiner Fotos bis ins Jahr 1935 erhalten, so dass sich dieses Foto nicht eindeutig einem Jahr zuordnen lässt. Es dürfte sich aber um eine Demonstration zum 1. Mai in den 1950-er Jahren handeln. Aufgenommen wurde das Bild in Bad Schandau auf der Kirnitzschtalstraße. Die Bergfinken demonstrieren hier mit einem von einen Pony gezogenen Wagen und einem Banner „Bergfinken kämpfen für Einheit und Frieden“.

 

Der 1. Mai ist heute in vielen Ländern als "Tag der Arbeit" ein Feiertag. In Deutschland wurde er 1933, unmittelbar nach der Machtübernahme durch die NationalsozialistInnen, zum gesetzlichen Feiertag erklärt.


26. April 2026

Abzeichen der Akademischen Sektion Dresden
Abzeichen der Akademischen Sektion Dresden

 

ASD

 

Am 10. Juni 1901 beschlossen im Bayrischen Bierstübel des Wiener Gartens zu Dresden die Herren Hans Scholz, Max Petrich, Hermann Sattler, Oskar Pusch und Hans Poppe, einen Verein zur Pflege des Alpensports an der Technischen Hochschule zu gründen. Um einen festeren Rückhalt zu haben, wählte man die Form einer "Akademischen Sektion Dresden des D. u. Oe. Alpenvereins". Nach Genehmigung der Statuten durch Rektor und Senat sprach der Zentral-Ausschuß alsbald die Aufnahme in den Alpenverein aus und stiftete als Grundstock zu einer Bücherei eine Reihe von Zeitschriften. Bald nach der Gründung ernannte die junge Sektion zwei begeisterte Alpinisten zu ihren Ehrenmitgliedern, den o. Professor an der Technischen Hochschule Herrn Geh. Hofrat Rudolf Heyn und Herrn Dr. med. Oskar Schuster.

 

Walther Fischer in "Oskar Schuster und sein Geist", 1926


19. April 2026

Kletterer an der Empornadel, Foto: Paul Stelzer um 1938
Kletterer an der Empornadel, Foto: Paul Stelzer um 1938

 

Empornadel

 

Dieses nicht beschriftete Foto stammt von der selben Quelle wie die hier im Beitrag vom  29. September 2024 gezeigte Aufnahme. Vermutlich war also auch Paul Stelzer der Fotograf. Vergleicht man den Körperbau der Person und deren Kleidung, scheint es sich beim am Gipfelblock Kletternden um Walter Lenk zu handeln.

 

Hier noch der Hinweis, wer gern auf die Empornadel klettern möchte, findet Informationen dazu im Auswahlkletterführer Böhmische Schweiz.

 

Da die Gipfelblöcke nur locker auf dem Unterbau aufliegen und zudem wackeln, sollten diese heute nicht mehr beklettert werden. Gipfelbuch und Abseilöse befinden sich auf dem Absatz, dort wo auf dem Foto die beiden Kletterer sitzen.


12. April 2026

Grußpostkarte der Schweizer Dhaulagiri-Expedition 1960
Grußpostkarte der Schweizer Dhaulagiri-Expedition 1960

 

Peter Diener

 

Am 29. Januar 1929 wurde Peter Diener in Zittau geboren. Er wuchs in Olbersdorf, am Rand des Zittauer Gebirges auf. Hier begann er mit dem Klettern. In der Nachkriegszeit, bald nach der Gründung der DDR wanderte er in die Schweiz aus.

 

Im Frühjahr 1960 war Diener Teilnehmer der Schweizerischen Dhaulagiri-Expedition. Gemeinsam mit Kurt Diemberger, Ernst Forrer, Albin Schelbert sowie den beiden Sherpas Nawang Dorje und Nyima Dorje gelang ihm am 13. Mai 1960 die Erstbesteigung des 8167 Meter hohen Dhaulagiri. Peter Diener ist der einzige Deutsche, der an der Erstersteigung eines Achttausenders beteiligt war.

 

Im Alter von 97 Jahren verstarb Peter Diener am 26. März 2026.


5. April 2026

Der Club der Gipfelstürmer am Bloßstock, Foto vor 1915
Der Club der Gipfelstürmer am Bloßstock, Foto vor 1915

 

Gipfelstürmer

 

Dies ist ein weiteres Foto, welches Oliver Perry-Smith mit nach Amerika genommen hat. Da ich im Erkennen von Personen nicht besonders talentiert bin, konnte Matthias Krell helfen. Demnach handelt es sich hier um einen Ausflug des Clubs der Gipfelstürmer. Von links stehend sind zu erkennen: Max Matthäus, Hans Wagner, Franz Gnaß, Emil Kopprasch (vermutlich), Arthur Hoyer, Willy Kamke, Georg Penter und Walter Hahn. Liegend: Alfred Keppler (vermutlich), Rudolf Kopprasch, Reinhold Greter.

 

Gegründet wurde der Club der Gipfelstürmer im Jahr 1905.


29. März 2026

Bergfriednadel, Kletterer im Alten Weg, Foto: Walter Hahn, 1924
Bergfriednadel, Kletterer im Alten Weg, Foto: Walter Hahn, 1924

 

Bergfriednadel

 

Zu diesem Foto findet sich im Gipfelbucharchiv ein entsprechender Eintrag im alten Gipfelbuch der Bergfriednadel. Demnach ist das Foto am 21. September 1924 entstanden und zeigt die 10. Besteigung der Bergfriednadel. Willy Häntzschel und Paul Illmer sind die beiden auf dem Foto abgebildeten Kletterer. Weiterhin waren Wilhelm Fiehl, Kurt Schaefer und Paul Bader Teil der Seilschaft.

 

Im Kletterführer von 1923 finden sich folgende Informationen zum Gipfel: Bergfried-Nadel. Hornförmige, glatte Nadel dicht neben dem Bergfried. – VII; ausges. Rudolf Stelzer (u. Gen.), 5.10.20. – Im rechten (östl.) Teil der Südseite hoch zu Abs. Noch einige m gerade hoch, dann etwas links haltend, z. G.

 

1965 werden erstmals zwei Nachsteiger – G. Uhlig und R. Krahl – benannt und seit 1985 wird diese Besteigung als "1. anerk. Beg." geführt. Mit der Kletterführerausgabe von 2002 wird den beiden Nachsteigern ihre Beteiligung an der Erstbesteigung wieder aberkannt, Rudolf Stelzer hat diese jetzt "von unten gesichert" geklettert.


22. März 2026

Stiftungsfestzeitung der Klettrervereinigung Rohnspitzler von 1944
Stiftungsfestzeitung der Klettrervereinigung Rohnspitzler von 1944

 

Stiftungsfest

 

Wer in einer Stiftungsfestzeitung handfeste Informationen zum Beispiel darüber erwartet, welche klettersportlichen Aktivitäten im vergangenen Jahr im Klub stattfanden, wird enttäuscht. Im Wesentlichen enthält die Stiftungfestzeitung Klamauk. Lediglich die Worte zum Geleit lassen aufhorchen, denn dort wird erklärt, warum ein Stiftungsfest im Kriegsjahr 1944 wichtig und notwendig ist.

 

Viele Erinnerungen werden in uns wach + diese müssen wenigstens kurz niedergelegt werden. Ein derartiges Ereignis kann nicht mit einer Handbewegung abgetan + gesagt werden: "Jetzt im Kriege gibt es andere Sorgen als Feste feiern." Nein! Gerade jetzt in dieser weltumwälzenden Zeit muß gezeigt werden, daß der Zusammenhalt der Heimat das mühsam aufgebaute der verflossenen Jahre zusammenhält. Unsere Kameraden im feldgrauen Rock, ein Teil tut in der vordersten Front seine Pflicht, diese haben ein Recht darauf, den Klub einst fest gebaut wieder in ihre Hände zurückzugeben. ... Und nun ihr Alten und Jungen des K.V.R. Was hier in diesen kurzen Sätzen steht, fühlt ihr selbst in euerem Innern. K.V.R. ist die Verkörperung des idealen Bergsteigers. ... Deshalb den Kreis fester geschlossen. Vorwärts und Aufwärts! K.V.R., stehe weiter fest gegen Stürme der Zeit und sei Träger bergsteigerischer Ideale, um sie den heimkehrenden Soldaten als leuchtendes Höhenlicht zu übergeben.

 

An der Stelle wo sich in Rathewalde einst Büttners Gasthof befand, steht heute der "Lindengarten".


15. März 2026

Kletterer auf dem Falkenstein, Ansichtskarte vom Verlag Alfred Porzig
Kletterer auf dem Falkenstein, Ansichtskarte vom Verlag Alfred Porzig

 

Falkenstein

       

Mittlerweile "füttern" wir seit genau fünf Jahren dieses "digitale Klettersportmuseum" mit Informationen. Angefangen hat es mit einem Bild von der Wetterfahne auf dem Falkenstein. Deshalb heute hier ein anderes Motiv vom selben Platz. Die Ansichtskarte ist vom Verlag Alfred Porzig, Dresden, Reitbahnstr. 16. Mit Poststempel vom 8.7.12 wurde die Karte von Schandau nach Berlin gesendet. Vermutlich ist das Motiv ein paar Jahre älter, denn der Hohe Torstein wird hier noch mit "th" geschrieben. Wer sich das Bild genau anschaut, wird feststellen, dass der Falkenstein zum Beginn des 20. Jahrhunderts noch ziemlich bewaldet gewesen sein muss. Eine zunehmende Frequentierung der Gipfelfläche durch Kletterer hat wahrscheinlich für das Verschwinden der Vegetation gesorgt.


8. März 2026

Fritz Flügel, Lokomotive-Esse, Toter Riss, Foto: Walter Hahn, 1921
Fritz Flügel, Lokomotive-Esse, Toter Riss, Foto: Walter Hahn, 1921

 

Toter Riss

 

Am 19. Juni 1921 durchstieg Fritz Flügel den Toten Riss am Gipfel der Lokomotive-Esse. Dies war laut Gipfelbuch die 5. Begehung der Route.

 

Walter Hahn dokumentierte diese Begehung mit seiner Plattenkamera und fertigte von den Fotos eine Serie von Ansichtskarten. Das hier gezeigte Motiv taucht in dieser Serie nicht auf, vermutlich war die Qualität der Aufnahme zu schlecht.

 

Möglicherweise verschenkte Walter Hahn weniger gelungene Postkartenabzüge innerhalb seines Klettervereins "Club der Gipfelstürmer". Denn die hier vorgestellte Ansichtskarte schickte Sepp (Johannes) Baumgart, der ebenso wie Hahn beim "CdG" Mitglied war, mit Poststempel vom 30.7.21 als Geburtstagsgruß an Erhard Schade nach Sebnitz.

 

Im Gipfelbuch der Lok ist der Name Fritz Flügel deutlich zu erkennen. Warum er später in den Kletterführern in Fritz Fliegel umgetauft wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Name des Nachsteigers vom Toten Riss ist schwer lesbar, er könnte Hans Wächtling lauten.


1. März 2026

Kletterer am Pfaffenstein, Foto vom Herbst 1928
Kletterer am Pfaffenstein, Foto vom Herbst 1928

 

Am Keilerturm

 

Auf der Rückseite der Fotografie findet sich nur die Beschriftung "Herbst 1928". Der Aufnahmeort des Bildes lässt sich aber zuordnen. Es ist auf dem Pfaffenstein entstanden, der markante Block liegt vor dem Keilerturm. Hier befindet sich der Einstieg der Route "Westkante". Diese gab es allerdings 1928 noch nicht, es ist eine Erstbegehung aus dem Jahr 1963 vom Pfaffendorfer Rolf Weigand. Das älteste erhaltene Gipfelbuch vom Keilerturm ist von 1965. Wie die drei jungen Kletterer heißen, werden wir also vermutlich nicht in Erfahrung bringen können.

 

Damals wie heute wird dieser Felsblock gern von Touristen und Bergsteigern genutzt um für Fotos zu posieren. So haben auch unsere drei Bergfreunde ihre Seile dekorativ verteilt, Kletterschuhe im Bild drapiert, daneben sind auch schwere Stahlkarabiner zu erkennen. Einer der Kletterer trägt ein Seilstück als Krawatte um den Hals geschlungen.


22. Februar 2026

Artikel einer DDR-Zeitung vom Sommer 1967
Artikel einer DDR-Zeitung vom Sommer 1967

 

Totenschänder

 

Am 21. Juli 1967 verunglückten vier Bergsteiger – Fritz Eske, Günter Kalkbrenner, Kurt Richter und Günter Warmuth – Mitglieder der Nationalmannschaft Alpinistik der DDR, beim Versuch die Eiger-Nordwand zu durchsteigen, tödlich. Nach einer anfänglich sachlichen Berichterstattung über das Unglück, wurde daraus schnell ein unschöner Schlagabtausch Kalte Krieger West gegen Ost. So lautete eine Schlagzeile vom 24. Juli 1967 in der für ihre seriöse Berichterstattung bekannten Bild-Zeitung "Mit Geheimauftrag in der Mordwand?" Da mir der originale Artikel der Bild-Zeitung nicht vorliegt, hier das Zitat übernommen aus "Bergheil und Handschlag", Heft 3 von 2004: Möglicherweise war die Begehung der Nordwand ein "Geheimauftrag", der die besondere Tüchtigkeit der mitteldeutschen Alpinisten beweisen sollte.

 

Die DDR-Presse konterte auf ähnlichem Niveau: Hier zeigen sie das wahre Gesicht der vielgepriesenen "menschlichen Kontakte" und der "Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern im Osten". Wie immer, wollen sie auch hier noch mit Toten ihre schmutzigen Geschäfte machen und aus einem tragischen Unglück politisches Kapital schlagen. (Der Tourist, 8/67)


15. Februar 2026

Sowjetischer Titan-Bergsteigerkarabiner, 1980-er Jahre
Sowjetischer Titan-Bergsteigerkarabiner, 1980-er Jahre

 

Titankarabiner

 

Auf diesem in der Sowjetunion in den 1980-er Jahren hergestellte Karabiner aus Titan finden sich die Angaben: irbis 2200 77g. Auf der anderen Seite des Karabinerschenkels steht nur das Produktionsdatum, bei dem hier abgebildeten Karabiner: 4 88. Bei anderen Serien ist zusätzlich "made in USSR" zu lesen. Kyrillische Schriftzeichen sind nicht zu sehen. Vermutlich hoffte der Hersteller auf einen Export ins westliche Ausland. Zudem wurde von den Titan-Karabinern eine Variante mit einem safe-lock-Verschluss produziert. Diese wog laut Hersteller 85 Gramm und hatte eine Bruchlast von 3000 (kp).

 

Sowjetische Alpinisten tauschten gern die Titankarabiner gegen die deutlich leichteren in der DDR produzierten Ruppberg-Karabiner aus Aluminium. Für ostdeutsche Bergsteiger, die per "Transitvisum" die sowjetischen Hochgebirge bereisten, waren diese Titan-Karabiner ein exotisches Urlaubssouvenir. Vorteile gegenüber den Aluminumkarabinern aus Zella-Mehlis hatten diese kaum. Lediglich bei alpinen Kletterein konnte man den Karabiner auf Grund seines geringeren Querschnitts durch das schmale Auge mancher Haken fädeln. Dafür verwendet man heute eine kurze vernähte Bandschlinge, die es aber in den 1980-er Jahren noch nicht gab.


8. Februar 2026

Einladung zum Tyroler Bergfest, 1907
Einladung zum Tyroler Bergfest, 1907

 

Ein Bergfest in Chemnitz

 

Hier eine Einladungskarte zu einem Tyroler Bergfest am 6. Februar 1907. Dieses Fest wurde von einer Ortsgruppe Chemnitz des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins veranstaltet. Zu welcher Alpenvereinssektion diese Ortsgruppe gehört, ist der Einladung nicht zu entnehmen.

 

Eine Nachfrage bei der heutigen DAV-Sektion Chemnitz hat ergeben, dass deren geschichtsinteressierten Mitgliedern keine Ortsgruppe einer anderen Sektion um das Jahr 1907 für Chemnitz bekannt ist.

 

Im weiteren fand zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes zunächst ein Festessen im "Viktoria-Hotel" am 15. Dezember 1906, als dem eigentlichen Stiftungstag der Sektion statt, während die allgemeine Festfeier am 3. Februar 1907 in den Sälen der "Eintracht" abgehalten wurde. (aus dem Jahresbericht der Sektion Chemnitz)

 

Es ist also eher unwahrscheinlich, dass bei der Erstellung der Einladung "Sektion" mit "Ortsgruppe" verwechselt wurde. Denn zwei Feiern eines Vereins in derartig kurzem Abstand wären doch sehr ungewöhnlich, zumal auch im Jahresbericht der Sektion Chemnitz keine weitere Feier erwähnt wird.

 

So gibt diese Einladungskarte weiterhin Rätsel auf.


 1. Februar 2026

Sächsische Zeitung, Sommer 1967
Sächsische Zeitung, Sommer 1967

 

DDR-Alpinisten bezwangen Matterhorn-Nordwand

 

3000 m hoch aus dem Talgrund bei Zermatt im Wallis ragt dieser 4505 m hohe Berg der Berge empor; Mont Cervin, Becca, Hora oder Monte Cervine von den Einheimischen genannt. Als Matterhorn kennt ihn die Welt seit der ersten Besteigung durch den Engländer Edward Whymper am 24. Juli 1865. Von allen Seiten zu sehen, steht das Matterhorn in einsamer Größe, räumlich weit von jedem anderen Gipfel getrennt. Seine Gestalt ist einfach: eine Pyramide – vier Wände, vier Kanten – ein Gipfel. Eindeutig auch die Wege, die zum Gipfel führen: über die vier Grate; eindeutig Wege, an deren Klarheit kleine Abweichungen nichts ändern können und die wesentliche Varianten nicht zulassen. Oder aber die Routen durch eine der vier Wände.

Die mächtigste dieser Wände ist die Nordwand. Eine Bergwand, wie es schließlich noch eine Reihe anderer gibt, besonders unter denen, die "letzte Probleme" sind. Es ist nicht nur die Wand, die nach Zermatt heruntersieht, es ist jene Wand, die trotz ihrer Lawinen und Steinschläge einfach "die problematische Wand" ist. Die einzige Wand des Matterhorns, an der sich schon die schneidigsten Draufgänger Zähne ausgebissen haben; die Wand, die sie abgeschüttelt oder hinaus auf den Flucht- und Rückzugsweg des Schweizer Grates gedrängt hat.

Diese Wand zu besiegen, schafften nun am 15. und 16. Juli 1967 auch Bergsteiger unserer Republik. Hier ihre Namen: Kurt Richter (Meister des Sports/Karl-Marx-Stadt), Fritz Eske (Meister des Sports/Dresden), Günther Kalkbrenner (Meister des Soprts/Dresden) und Günter Warmuth (Dresden). Sie sind Angehörige der Nationalmannschaft Alpinistik und haben ihre Republik durch diese Tat würdig vertreten.

Text: Fritz Leder, Foto: Archiv

 

Korrektur zum Artikel der Sächsischen Zeitung: Das Matterhorn ist 4478 Meter hoch. Die Erstbesteigung des Matterhorns erfolgte am 14. Juli 1865 durch Edward Whymper, Michel Croz, Charles Hudson, Francis Douglas, Douglas Robert Hadow, Peter Taugwalder (Vater) und Peter Taugwalder (Sohn).


25. Januar 2026

Kletterer im Alten Weg am Westlichen Schrammturm, Foto vor 1915
Kletterer im Alten Weg am Westlichen Schrammturm, Foto vor 1915

 

Westlicher Schrammturm

 

Dieses Foto stammt aus dem Nachlass von Oliver Perry-Smith. Es ist nicht beschriftet und enthält auch sonst keine Hinweise wie Stempel oder Signets, welche Rückschlüsse auf den Fotografen oder die abgebildeten Kletterer zulassen würden.

 

Im digitalen Bildbestand der Deutschen Fotothek Dresden findet man diese Aufnahme nicht. Es scheint also kein frühes Werk von Walter Hahn zu sein.

 

Interessant ist, dass der Vorsteiger zwei Seile um den Bauch geschlungen hat. Eines läuft wohl durch den Sicherungsring, der sich auf Höhe des rechten Fußes, etwas rechts von diesem befindet. Wenn man genau schaut, sieht man auch das zweite Seil, welches nach hinten führt. Vermutlich eine Schwebesicherung vom Südlichen Schrammturm.

 

Der Alte Weg auf den Westlichen Schrammturm ist ja für VIIa schon recht garstig, zudem lässt sich die Schlüsselstelle schlecht absichern. Nicht ohne Grund wählen wohl die meisten Gipfelsammler den Neuen Weg um den Gipfel zu besteigen.


18. Januar 2026

Dietrich Hasse, Falkenstein-Westgrat, Foto: Rainer Dick, 1951
Dietrich Hasse, Falkenstein-Westgrat, Foto: Rainer Dick, 1951

 

Falkenstein-Westgrat

 

Westpfeiler VII; Dietrich Hasse, H. Wünsche, H. Rost, W. Schlenkrich, 12.8.51. – Rechts vom Eckweg (o) Wandstufe zu Rißverschneidung. Diese hoch zu Band. Rechter Hand üb. Rißdach hinweg; weiter Rippen u. Wandstück empor zu Platte (Ring). Ausgiebig unterstützt linkshaltend zu Grat. Über diesen, an Ring vorbei, hinauf auf Pfeiler. Ausgiebig unterstützt absteigen zu südl. vorgelagertem Pfeiler. Jenseits Kamin z. G. –

 

aus: Der Bergsteiger, Ein Kletterführer durch die deutschen Mittelgebirge, Band I, Elbsandsteingebirge, Berlin, 1953

 

Heute steht die Route unter dem Namen "Westgrat" im Kletterführer und wird mit VIIIb (ohne Unterstützung IXa) bewertet. Zu DDR-Zeiten befand sie sich auf der "Meisterwegeliste" der Sportklassifizierung Felsklettern.

     

Der Bad Schandauer Rainer Dick ging nur gelegentlich klettern und trat auch als Kletterfotograf nicht sonderlich in Erscheinung.


11. Januar 2026

Kletterer auf der Bergfriednadel, Foto: Walter Wetzel, 1930-er Jahre
Kletterer auf der Bergfriednadel, Foto: Walter Wetzel, 1930-er Jahre

 

Bergfriednadel

 

Dieses Foto ist trägt auf der Rückseite folgende Beschriftung: Am Osterfest auf dem Gipfel der Bergfriednadel: Hans Arnold, Walter Wetzel, Helm. Müller, Hans Damme, Hans Rößler, Gertrud Brauer, Bochmann. Erkennbar am Schriftbild ist es die Handschrift von Walter Wetzel. Der kann allerdings nicht selbst fotografiert haben, da er auf dem Foto auch zu sehen ist. Vermutlich hat ein befreundeter Kletterer diese Aufnahme mit Wetzels Fotoapparat vom Gipfel des Bergfrieds aufgenommen. Zudem ist auf der Rückseite eine Person mehr aufgeführt ist, als auf dem Gipfel der Bergfriednadel sitzt.

 

Zuordnen kann man folgende Personen: Hans Damme (zweiter von links), Walter Wetzel (vierter von links), rechts daneben Gertrud Brauer und ganz rechts Hans Arnold.

     

Anhand der (nicht vollständig) vorhandenen Gipfelbücher der Bergfriednadel lässt sich das Foto leider keinem Datum zuordnen.


4. Januar 2026

Jahrbuch des Sächsischen Bergsteiger-Bund, 1912/1913
Jahrbuch des Sächsischen Bergsteiger-Bund, 1912/1913

 

Jahrbuch

 

1912 erschien das erste Jahrbuch des 1911 gegründeten Sächsischen Bergsteigerbundes. 1913/1914 und 1914/1915 erschienen zwei weitere Jahrbücher. Ein viertes und letztes wurde für das Jahr 1927 veröffentlicht.

 

Mit diesem Büchlein eröffnet der Sächsische Bergsteiger-Bund die Reihe der Jahrbücher, die er herauszugeben beabsichtigt. Sie sollen nach Schluß jedes Geschäftsjahres erscheinen, um auch der Allgemeinheit in gedrängter Weise einen Ueberblick zu geben über das, was im vergangenen Jahre geleistet worden ist. Das erste Jahr war insofern von einschneidender Bedeutung, als in ihm die Grundlage geschaffen werden mußte, auf der sich der Sächsische Bergsteiger-Bund aufbaut. Hart und mühevoll war die Arbeit, aber es darf wohl behauptet werden, daß sie nicht umsonst getan worden ist. Der innere Ausbau des Bundes ist beendet und die Kräfte sind frei geworden zur Lösung der großen Aufgaben, die unser harren draußen in den Bergen. Möge es uns vergönnt sein, im nächsten Jahre mit der gleichen Befriedigung auf die Vergangenheit zurückzuschauen, wie wir es heute tun können. Dazu ist vor allen Dingen nötig, daß alle Bundesmitglieder uns auch fernerhin ihre Unterstützung leihen; daß sie weiter mitarbeiten wollen an unserem großen Werke. Und wenn diese Voraussetzung eintritt, dann muß es uns gelingen, unsere hohen Ziele zu erreichen. Darum aufwärts, nicht hasten, nicht rasten!

Berg Heil! Die Bundesleitung.